Strobel für mehr Spielstärke
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Bundestrainer Christian Prokop setzt auf Zweitliga-Handballer Martin Strobel, hier gegen Frankreichs Nikola Karabatic bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.
© Quelle: dpa
Wetzlar. Vor einigen Wochen klingelte bei Martin Strobel das Handy. An und für sich ist das nichts Außergewöhnliches, doch diesen Anruf hatte der 32 Jahre alte Spielmacher des Handball-Zweitligisten HBW Balingen-Weilstetten nicht erwartet – am anderen Ende der Leitung war Bundestrainer Christian Prokop. „Er hat sich bei mir erkundigt, ob ich mir ein Comeback vorstellen könnte“, berichtete Strobel vor seiner Rückkehr in die DHB-Auswahl.
Nach dem Superjahr 2016 mit dem EM-Triumph in Polen und Olympia-Bronze in Rio hatte Strobel seine Karriere in der Nationalmannschaft eigentlich beendet. „Wenn so ein Ereignis wie die Heim-WM im Januar ansteht, dann muss man nicht lange überlegen. Das ist für jeden Sportler das Größte“, begründete Strobel seine Entscheidung.
Prokop: Nominierung mit Weitsicht
Strobel soll dabei helfen, das Spiel der deutschen Mannschaft in erfolgreichere Bahnen zu lenken als dies zuletzt bei der WM 2017 und EM 2018 der Fall war. „Martin ist ein taktisch intelligenter Spieler, der einen ganz starken Charakter hat und in der Mannschaft angesehen ist“, sagte Prokop am Dienstag über den Rückkehrer und betonte: „Das ist eine Nominierung mit Weitsicht.“
Neben Strobel, der 2007 in der DHB-Auswahl debütierte und bisher 135 Länderspiele bestritt, testet der Bundestrainer im Hinblick auf die WM den lange verletzten Leipziger Niclas Pieczkowski und den 22 Jahre alten Youngster Tim Suton vom TBV Lemgo Lippe auf der Spielmacherposition. „Dort geht es um die Führung der Mannschaft, das Umsetzen der Taktik und das Ankurbeln des Spiels“, so Prokop.
Fäth nur Reserve
Steffen Fäth vom Pokalsieger Rhein-Neckar Löwen ist dagegen in den EM-Qualifikationsduellen mit Israel und Kosovo am kommenden Sonntag nur Reserve. „Dieses Aufgebot ist ein deutlicher Fingerzeig, wer auf dem Weg zur Heim-WM gut im Rennen liegt“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer.
Am 10. Dezember beruft Prokop vor dem Länderspiel gegen Polen zwei Tage später in Rostock seinen 28-köpfigen vorläufigen WM-Kader. Nur wer es dort hinein schafft, darf darauf hoffen, zu den 16 Auserwählten zu gehören, die bei der Endrunde wie 2007 für ein Wintermärchen sorgen sollen.
Kein Casting bis Januar
„Ich will kein riesiges Casting bis in den Januar hinein“, sagte Prokop. „Wir müssen uns jetzt schon einspielen.“ Strobel will die Chance auf einen letzten Auftritt auf der großen internationalen Bühne nutzen. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht, auch wenn er nur noch in der Zweiten Liga spielt.
„Ich habe mein Spiel in den letzten zwei Jahren nicht grundlegend verändert. Meine Stärken sind die Spielsteuerung und das taktische Verständnis. Ich versuche, Ruhe ins Spiel zu bringen und mit einem kontrollierten Spielaufbau erfolgreich zu sein“, sagte Strobel. „Letzten Endes wird der Bundestrainer entscheiden, ob er meine Qualitäten braucht oder nicht.“
Von dpa