HSV-Spielmacher

THW-Kiel-Gegner: Dani Baijens und der Hamburger Traum von Europa

Hafenkulisse mit Elbphilharmonie: Der Niederländer Dani Baijens träumt in Hamburg von Europa.

Hafenkulisse mit Elbphilharmonie: Der Niederländer Dani Baijens träumt in Hamburg von Europa.

Hamburg. Hamburg, Tor zur Welt. Das Wasser, der Hafen, die Kräne – für einen Niederländer, der aus Rotterdam stammt, vertrautes Terrain. Oder doch nur Klischee? Dani Baijens klärt auf. Aber der Traum von Europa, der lebt im 25-jährigen Spielmacher des Handball-Bundesligisten HSV. Der empfängt am Sonnabend (20.30 Uhr, Liveticker auf KN-online) in der ausverkauften Barclays Arena den THW Kiel.

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Klischees und Dani Baijens? Das ist so eine Sache. Nehmen wir zum Beispiel das Klischee vom holländischen „Käskopp“, mit dem Baijens in der neuen Ausgabe des Magazins „Bock auf Handball“ aufräumt. Er möge zwar Käse, esse aber keinen mehr, weil er ihn nicht gut vertrage. „Und wenn ich ehrlich bin“, gibt er im Gespräch mit unserer Redaktion lachend zu Protokoll, „fahre ich auch nicht jeden Tag mit dem Hollandrad an den Hafen. Hab ich in Holland auch nicht gemacht.“

Aus der Heimat zur SG Flensburg-Handewitt

Der Ton ist gesetzt, ein Gespräch mit Dani Baijens ist niederländisch unverkrampft. Auch das Klischee vom talentierten Jungprofi, der sich bei einem Top-Klub nicht durchsetzen kann und dann in der Versenkung verschwindet, schaffte Baijens mit einem mit Bedacht gewählten Weg aus der Welt. Als 19-Jähriger war er aus der Heimat zur SG Flensburg-Handewitt gewechselt, hatte meist in der zweiten Mannschaft und insgesamt nur ein paar Partien unter Cheftrainer Maik Machulla bei den Profis gespielt. Mitten in der Saison wechselte er zum TBV Lemgo, wurde Pokalsieger, ging dann zum ASV Hamm-Westfalen für ein Jahr in die Zweite Liga, ehe der Schritt zum HSV nach Hamburg ein ganz neues Tor für Dani Baijens öffnete.

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Dani Baijens in Hamburg: Strippenzieher, Spielgestalter, Führungskraft

Denn als sich Spielmacher Leif Tissier zu Saisonbeginn verletzte, war Baijens zur Stelle. „Ich bekam sofort das volle Vertrauen des Trainers (Torsten Jansen, d. Red.). Und ich hatte in Hamm die Saison durchgespielt, war sofort voll drin“, erinnert sich der 25-Jährige, der mit Freundin Nyala Krullaars – Handballerin und Ernährungs-Coach – in Hamburg-Eppendorf lebt. Nach dem Umweg durch das Unterhaus war Baijens plötzlich Strippenzieher, Spielgestalter, Führungskraft. Und wie. Der 1,82-Meter-Mann sagt: „Mit meiner Größe sind Distanzwürfe nicht so mein Ding. Aber ich verkörpere das, was den niederländischen Handball so stark macht – viel Tempo, viele Durchbrüche.“ Baijens strahlt auch Torgefahr aus, ist mit 115 Treffern hinter Casper Mortensen (217 Tore/davon 69 Siebenmeter) zweitbester Hamburger Schütze aus dem Feld.

Feyenoord-Fan Baijens, der auch aus dem linken Rückraum kommen kann, ist nach einigen Zwischenstationen nun von Rotterdam aus in Hamburg angekommen, hat sich mit Nyala, die mit einem Wechsel nach Buxtehude liebäugelt, eingelebt, mag den Hamburger Lifestyle. „Ich habe in Deutschland schon in so vielen Dörfern gewohnt“, sagt er, der in Flensburg, Lemgo, Hamm gespielt hat, und lacht. „Endlich ist es wieder wie Heimat.“ Und: „Endlich haben deutsche Vereine die holländischen Spieler auch mehr auf dem Radar“. Spieler wie den Magdeburger Kay Smits, der erst in Wilhelmshaven und Holstebro anheuerte, jetzt zu Weltklasse gereift ist. „Die Nationalmannschaftserfolge haben uns Türen geöffnet.“

Und welches ist die nächste Tür? „Ja, ich träume schon von Europa“, gibt Baijens zu. Darf er auch. Mit 34:26 Punkten liegt der Handball Sport Verein Hamburg auf Platz sechs. Der könnte besonders dann für den Einzug in die European League reichen, sollten die Füchse Berlin am Wochenende den Wettbewerb gewinnen und als Titelverteidiger in die neue Saison gehen. „Baijens flachst: „Ich werde im Berlin-Trikot vor dem Fernseher sitzen. Nein, im Ernst, ich werde hinterher schon schauen, wer gewonnen hat. Aber das ist kein großes Thema bei uns in der Kabine.“

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Baijens freut sich auf „mega schönes Nordderby“ gegen den THW Kiel

Ehrlich, Dani Baijens? Es wäre schon ein großer Coup, sollte der HSV im zweiten Jahr nach der Bundesligarückkehr in den Europapokal einziehen. Doch erst einmal freut sich der Mann mit den 70 Länderspielen für die Niederlande (187 Tore) auf ein „mega schönes Nordderby“ vor ausverkauften Rängen. „Wir machen uns keinen Kopf, das haben wir nie gemacht“, betont der Regisseur. Und: „Der THW Kiel ist Favorit.“ Und: „Aber gegen andere Favoriten haben wir auch gut ausgesehen.“ Und mehr als das: Zweimal besiegte der HSV in dieser Saison die Rhein-Neckar Löwen (40:37/35:32), unterlag zu Hause der SG Flensburg-Handewitt (30:31) und dem SC Magdeburg (28:30) nur knapp.

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Seinem großen Hobby, dem Kaffeetrinken, kann er am größten Umschlagplatz für Kaffee in Europa sogar umso besser frönen. Ein bisschen vermisst Dani Baijens seine Heimat dennoch. Freunde, Familie. Nicht so sehr „Old Amsterdam“-Käse oder den Hafen. Hamburg, das Tor zur Welt. Noch bis zum Sommer 2024 läuft der Vertrag des spielintelligenten Exportschlagers beim HSV. Der Traum von Europa. Er lebt.

Vor dem Anpfiff – Sonnabend, 20.30 Uhr

HSV: Vortmann, Pinski – Schimmelbauer, Magaard, Mortensen, Tissier, Weller, Ossenkopp, Axmann, Andersen, Niemann, Bergemann, Theilinger (?), Feit, Valiullin, Baijens – verletzt: Bitter (Knie-OP), Lassen (Schlüsselbeinbruch) – Trainer: Torsten Jansen (46).

THW Kiel: N. Landin, Mrkva – Duvnjak, Sagosen, Reinkind, M. Landin, Øverby, Wiencek, Ekberg, Pabst, Fraatz, Dahmke, Zarabec, Wallinius, Bilyk, Pekeler – verletzt: Ehrig (Kreuzbandriss), Weinhold (Schulter-OP), Johansson (Mittelhandbruch) – Trainer: Filip Jicha (41)

Schiedsrichter: Robert Schulze/Tobias Tönnies (Magdeburg/Stendal) – Bilanz: 40 Spiele, 29 Siege für den THW, 4 Remis, 7 Niederlagen – Hinspiel: 40:28 für den THW – TV: Sky überträgt ab 20.15 Uhr live – Anpfiff: Sonnabend, 20.30 Uhr, in der Barclays Arena in Hamburg.

KN

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