Vielseitigkeitsreiten

WM Vielseitigkeit: Deutsches Team gewinnt Gold – Julia Krajewski holt Silber

Die deutschen Vielseitigkeits-Reiter bei der Siegerehrung.

Die deutschen Vielseitigkeits-Reiter bei der Siegerehrung.

Pratoni del Vivaro/ITA. Die Olympiasiegerinnen Julia Krajewski und Amande de B’Neville – nach dem Gelände zunächst auf Rang fünf – erkämpften sich mit einer stilistisch überragenden Nullrunde im Springen die Silbermedaille. Michael Jung und fischerChipmunk FRH, nach Dressur und Gelände im Einzelranking führend, verlieren die Goldmedaille am letzten Hindernis. Einen Fehler hätten sie sich leisten können, beim zweiten Fehler am letzten Sprung war der Platz auf dem Podest leider verloren. Die beiden werden Fünfte. Gold gewinnt die Britin Yasmin Ingham mit Banzai Du Loir, Bronze geht an Tim Price und Falco.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Er war eigentlich super drauf, ich hatte ein sehr gutes Gefühl. Es war ein sehr schweres Springen. Ich weiß gar nicht so richtig, woran es gelegen hat, einfach ein bisschen unglücklich“, sagte Michael Jung (Horb) hinterher. Er hatte die Dressur mit der persönlichen Bestleistung von nur 18,8 Minuspunkten „gewonnen“ und hatte es nach einer Nullrunde im Gelände in der Hand, einen neues WM-Rekordergebnis aufzustellen. Dank seines Vorsprungs hatte er sogar einen Abwurf im Springen frei – zwei waren allerdings einer zu viel. „Das ist natürlich ärgerlich“, sagte Jung. Freuen kann sich der zweimalige Einzel-Olympiasieger aber trotzdem, denn am Ende stand das deutsche auf dem Goldpodest – zum dritten Mal bei Weltmeisterschaften.

Einfach war es aber nicht, die deutschen Reiterinnen und Reiter machten es spannend. Der erste Teamreiter Christoph Wahler (Bad Bevensen) absolvierte mit Carjatan S im Parcours eine souveräne Nullrunde – ein versöhnliches Ende nach der etwas enttäuschenden Dressur und dem mannschaftsdienlichen Gelände, in dem er einige Zeitfehler in Kauf nehmen musste. Pech hatte allerdings die auch als starke Springreiterin bekannte Sandra Auffarth. Überraschenderweise unterliefen ihr und Viamant du Matz gleich drei Springfehler, was auch das vorläufige Teamranking etwas durcheinanderbrachte. Julia Krajewskis Nullrunde mit Amande de B’Neville brachte die Mannschaft dann wieder auf Goldspur. Jedoch nicht ohne das Zutun der US-amerikanischen Reiterin Tamra Smith mit Mai Baum und des Briten Oliver Townend mit Ballaghmor Class, die ihr mit ihren Fehlern auch den Weg zur Einzelmedaille ebneten. Dass am Ende Silber daraus würde, war nicht zuletzt auch dem Pech ihres Teamkollegen Jung geschuldet. Dieser nahm es am Ende sportlich: „Wir haben super gekämpft mit dem Team und haben uns da ganz nach vorne gearbeitet. Da können wir jetzt erstmal stolz drauf sein.”

Julia Krajewski und ihr Pferd Mandy holen Silber in der Einzelwertung.

Julia Krajewski und ihr Pferd Mandy holen Silber in der Einzelwertung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das sagten die deutschen Reiter nach dem Springen:

Michael Jung: "Er ist den ganzen Kurs super gesprungen, deswegen war ich da eigentlich auch sehr zuversichtlich, so wie er angefangen hat – frisch, kernig, toll gesprungen, war sehr konzentriert, hat gut zugehört – es ist einfach ein bisschen blöd gelaufen am Schluss. Und dann die letzte Planke – ich hab versucht ein bisschen Platz zu halten, ihn gut in der Balance zu halten, er hat mit der Zehenspitze berührt, dann lag sie unten. So geht das."

Julia Krajewski: "Das ist ein abnormales Pferd. Mandy wusste mal wieder, dass es heute richtig wichtig ist. Ich glaube sie war nicht an einer Stange dran, das war ein mega Gefühl. Das war kein einfaches Springen, sondern schon richtig anspruchsvoll. Dafür braucht man glaube ich manchmal eine Stute und Mandy ist meine Stute, wir sind da einfach voll auf einer Linie. Ich hab mir die erste Hälfte heute Morgen angeguckt und dachte: Mein lieber Scholli, da fallen ja viele Stangen. Auch bei guten Reitern. Christoph hatte eine tolle Nullrunde. Sandra ist bestimmt geknickt, weil Mat eigentlich ein mega Springer ist. Und da dachte ich, das musst du jetzt null reiten, fürs Team und auch für dich."

Pech im Springen hatten Sandra Auffarth und Viamant du Matz. Gleich drei Stangen fielen, das bedeutete am Ende im Einzelranking Platz 23: "Das war heute richtiger Sport, rauf und runter. Gestern hatten wir ein sehr anspruchsvolles Gelände, sehr anstrengend für die Pferde und dafür heute ein sehr anspruchsvoller Parcours. Ich glaube es steckte ihm schon noch das Gelände in den Knochen. Die Zeit war knapp und hier war sehr viel Atmosphäre. Normalerweise wird Mat sehr vorsichtig, wenn er einen Fehler gemacht hat. Heute hatte ich das Gefühl, er war so ein bisschen mit allem anderen beschäftigt", erklärte Auffarth nach ihrem Ritt.

Mit breitem Grinsen dagegen kam Christoph Wahler aus dem Parcours. Eine souveräne Nullrunde eines brillant springenden Carjatan S bedeutete für ihn den Erhalt seines Vortagesergebnisses – 42,2 Minuspunkte – und damit Platz 22. "Das war für mich ein super Abschluss. Das Pferd ist fantastisch gesprungen und ein gutes Pferd lässt den Reiter glänzen. Es war überragend, es hat so viel Spaß gemacht. Wir haben auch noch ganz viele Tipps bekommen von unseren Trainern und den anderen Reitern und ich habe das dann auch ganz gut umsetzen können", sagte er.

Ihre erste WM mit Erfolg hat auch Alina Dibowski (Döhle) mit Barbados beendet, auch wenn die 21-Jährige im Parcours nicht ohne Fehler blieb. Ihr Endresultat lautet 65,2 Minuspunkte. "Erst war ich gar nicht so beeindruckt von den Hindernissen und der Kulisse, dachte ich zumindest, aber ich glaube, dass einen das Unterbewusstsein doch ein bisschen beeinflusst. Nach dem ersten Fehler an Hindernis fünf, da habe ich die Distanz nicht gefunden, die ich mir vorgenommen hatte, bin ich da zu viel "rückwärts" geritten. Auch danach ging etwas die Vorwärtsdistanz verloren und daraus resultierten dann auch nachfolgenden Fehler. Das war so eine Unsicherheit, die sich dann leider etwas durchgezogen hat. Das Pferd sprang an sich wirklich hoch, es hätte mehr in die Weite springen können. Daraus lernt man auch für die Zukunft damit umzugehen, wie sich das Pferd nach so einem Gelände reiten lässt. Eigentlich bin ich sehr zufrieden mit der Leistung, die wir an diesem Wochenende gezeigt haben. Das Springen hätte ich mir natürlich besser vorgestellt."

Mehr aus Sport regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen