Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anzeige
GESUNDHEITSWESEN AKTUELL

„DIE ZUKUNFT LIEGT IN EINER NOCH ENGEREN ZUSAMMENARBEIT”

„DIE ZUKUNFT LIEGT IN EINER NOCH ENGEREN ZUSAMMENARBEIT” Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Dr. Martin Blümke, Vorstandsvorsitzender des 6K-Verbundes. FOTO: CHRISTIAN WYRWA

Der neue Vorstandsvorsitzende des 6K-Verbundes Dr. Martin Blümke spricht im Interview über die Forderungen der Kliniken an die Politik

Herr Dr. Blümke, die Vertreter des 6K-Klinikverbundes kommen in dieser Woche zu einer Klausurtagung in Damp zusammen. Was erwarten Sie sich von dem Treffen?
DR. BLÜMKE Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine sind zwei einschneidende Ereignisse, deren Bedeutung für die Zukunft wir noch nicht erfassen können, deren konkreten Folgen wir aber schon jetzt bewältigen müssen. Auf der Klausurtagung wollen wir uns der neuen Realität stellen und versuchen, im Austausch untereinander sowie mit externen Fachleuten langfristige Linien für die Gesundheitsversorgung zu erkennen.

Was sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Probleme, die gelöst werden müssen?
DR. BLÜMKE Die hohen Energiekosten im Speziellen und die Inflation im Allgemeinen setzen uns Kliniken massiv unter Druck und treffen uns in einer Zeit, in der wir durch Corona mit Einnahmeausfällen durch abgesagte Behandlungen kämpfen müssen. Ob die nun zugesagten Mittel die finanziellen Probleme aus zwei Jahren lösen werden, bleibt abzuwarten.

Was fordern Sie?
DR. BLÜMKE Wir fordern eine sachgerechte und zukunftsorientierte Sicherung der Ausgabensteigerungen. Diese werden in einem Jahr weiter eine Belastung darstellen, auch wenn der „Doppelwumms" nicht mehr wirkt. Darum muss die Krankenhausfinazierung grundlegend verändert werden. Solange dies nicht greift, ist die Wiedereinführung der Freihaltepauschalen notwendig, denn nach wie vor werden wir nach der Anzahl der erbrachten Leistungen vergütet. Allerdings müssen die Regeln geschärft werden, das Gießkannenprinzip der Vergangenheit war falsch. Ausgleiche dürfen nur diejenigen erhalten, die gesperrte Betten und Einschränkungen im elektiven Bereich nachweisen können.

Woher soll das Geld dafür kommen?
DR. BLÜMKE Wenn der Gesellschaft eine gute Gesundheitsversorgung wichtig ist, stellt sie die notwendigen Mittel dafür zur Verfügung. Wenn das nicht passiert, werden spürbare Einschnitte in der Versorgung stattfinden. Aber mit Geld alleine sind die Probleme des Gesundheitswesens nicht gelöst.

Was meinen Sie?
DR. BLÜMKE Wir müssen Bürokratie abbauen. Wir können es uns nicht erlauben, dass in Zeiten des Fachkräftemangels Mediziner und Pflegekräfte mit der Dokumentation in ineffizienten EDV-Systemen beschäftigt sind, statt sich um die Versorgung der Patienten zu kümmern. Außerdem ist die Struktur der Krankenhauslandschaft nicht mehr zeitgemäß. Statt durch immer mehr Vorgaben Kliniken auf kaltem Wege aus dem Markt zu drängen, sollte die Politik eine klare Planung vorlegen, welche Leistungen wo erbracht werden sollen. Nur so werden wir zukünftig alle notwendigen Versorgungen bedarfsgerecht anbieten können, allerdings nicht mehr überall.

Davon könnten Sie im 6K-Verbund aber auch betroffen sein?
DR. BLÜMKE Die Zukunft liegt meines Erachtens in einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen den Kliniken des Verbundes und benachbarten Krankenhäusern. Durch partnerschaftliche Kooperation in bestimmten Bereichen können wir für die Menschen weiterhin wohnortnah eine hohe Qualität in der medizinischen Versorgung gewährleisten. Hierfür braucht es aber auch klare politische Vorgaben. Die neue Gesundheitsministerin, Frau von der Decken, hat aber bereits erkennen lassen, dass sie zu klaren Ansagen bereit ist. Der 6K-Verbund wird sich aktiv mit konkreten Vorschlägen an diesem Verfahren beteiligen. Durch unsere seit Jahren gepflegte offene interne Kommunikation sind wir darauf gut vorbereitet.

6K-Verbund

Zum 6K Klinikverbund gehören das Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, die imland Kliniken Rendsburg und Eckernförde, das Klinikum Bad Bramstedt, das Klinikum Itzehoe, das Städtische Krankenhaus Kiel und die Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide. Gemeinsam beschäftigen sie annährend 12000 Mitarbeiter und versorgen jährlich knapp 160000 stationäre und mehr als 260000 ambulante Patienten. www.6k-kliniken.de

6K-KLINIKEN STELLEN SICH DEN NEUEN REALITÄTEN

Expertinnen und Experten großer schleswig-holsteinischer Krankenhäuser beraten auf einem Kongress in Damp über die Zukunft des Gesundheitswesens

Die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein müssen sich neuen Realitäten stellen. Nachdem bereits die Corona-Pandemie die Kliniken vor gewaltige Herausforderungen gestellt hatte, verschärfen die Folgen des Ukraine-Krieges die Lage der Krankenhäuser weiter.

„Es ist beinahe unmöglich geworden, länger als eine oder zwei Wochen im Voraus zu planen, weil Infektionsraten und Wirtschaftsdaten eine neue Realität schaffen", sagt der scheidende Vorstandsvorsitzende des 6K-Klinik-Verbundes, Dr. Roland Ventzke.

Trotzdem oder besser gerade deswegen wollen die Vertreter der sechs großen kommunalen und freigemeinnützigen Krankenhäuser in Schleswig-Holstein versuchen, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Auf einer Klausurtagung im Ostseebad Damp wollen sich die Expertinnen und Experten Mitte November zwei Tage der Zukunft austauschen Herausforderungen lang über die und Lösungen suchen.

„Wir leben in einer neuen Realität mit neuen Herausforderungen und müssen die Frage beantworten, wie wir damit umgehen”
Markus Funk, der Geschäftsführer der imland-Kliniken

,,Kurz gesagt: Wir leben in einer neuen Realität mit neuen Herausforderungen und müssen die Frage beantworten, wie wir damit umgehen", bilanziert es Markus Funk, der Geschäftsführer der imland-Kliniken.

Das Klinikunternehmen mit Standorten in Rendsburg und Eckernförde ist in diesem Jahr Ausrichter der Jahrestagung des Verbundes, zu dem neben den imland-Kliniken das Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, das Klinikum Bad Bramstedt, das Klinikum Itzehoe, das Städtische Krankenhaus Kiel und die Westküstenkliniken gehören.

Das Programm, das die Verantwortlichen der imland-Kliniken zusammengestellt haben, versucht mit Diskussionen und Best-Practice-Beispielen den Weg durch den Nebel der zukünftigen Gesundheitspolitik auszuleuchten. So sind beispielsweise der Staatssekretär des Gesundheitsministeriums, Dr. Oliver Grundei, und der Vorstandschef der AOK Nordwest, Tom Ackermann, zu einer Podiumsdiskussion über die Gesundheitspolitik eingeladen.

Weiterhin stehen auf der Tagesordnung Vorträge über Cyber-Sicherheit, Digitalisierung, Kinderschutz oder die Verschmelzung von ambulanten und stationären Leistungen.

Einen Teil der Themen, über die sich die Vertreter der sechs großen Krankenhäuser austauschen werden, finden Sie in wenigen Worten auf dieser Seite dargestellt. Außerdem unterstreicht der zukünftige Vorsitzende des 6K-Verbundes, Dr. Martin Blümke, seine Forderungen an die Politik in einem Interview.

Dr. Martin Blümke wird auf der Klausurtagung den Staffelstab turnusgemäß von Dr. Roland Ventzke übernehmen.