Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anzeige
Mit Recht gut beraten

Die Tücken beim Knipsen

Die Tücken beim Knipsen Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

So geht es nicht! Bei dieser gestellten Szene würde der Fotografierende das Recht gleich doppelt verletzen, denn er befindet sich auf dem privaten Grundstück des Campingplatzbetreibers und würde gegen die Persönlichkeitsrechte ungefragt fotografierter Personen verstoßen. FOTO: ANNE GOTHSCH

PLÖN. Für viele Menschen ist das Smartphone längst zum ständigen Begleiter geworden. Die eingebauten Kameras sind mittlerweile von erstaunlich guter Qualität, und so wird munter drauflos geknipst, wann immer sich ein interessantes Motiv zeigt.

Fotografieren in der Öffentlichkeit: Nicht alles ist erlaubt

Doch Fettnäpfchen lauern hierbei an jeder Ecke. Wer in der Öffentlichkeit fotografiert, läuft stets Gefahr, fremde Rechte zu verletzen und dafür eventuell sogar haftbar gemacht zu werden. Denn der Knipserei stehen etwa Persönlichkeitsrechte abgebildeter Personen, Eigentumsrechte wie das Hausrecht bei Aufnahmen auf Privatgrund oder in Innenräumen sowie Urheberrechte entgegen, wenn geschützte Werke und Designs unbefugt fotografiert werden.

Brenzlig wird die Sache vor allem dann, wenn die Bilder im Internet oder in sonstigen Medien veröffentlicht werden und dabei gar eine kommerzielle Nutzung im Raum steht. Allein die Veröffentlichung auf einer privaten Website oder einem privaten Blog kann bereits als kommerziell gewertet werden, wenn dort Anzeigen oder Banner im Spiel sind – egal, für wen diese werben.

Panoramafreiheit: Erlaubnis mit Tücken

In Deutschland ist das Fotografieren von Gebäuden und Straßenszenen dank der sogenannten Panoramafreiheit erlaubt, allerdings präsentiert sich die einschlägige Regel schon als Ausnahme: „Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht“, besagt Paragraf 59 Abs. 1 des Urheberrechtsgesetzes. Die Gebäude-Eigentümer können das Fotografieren nicht generell verbieten und Hobbyfotografen müssen auch nicht jedes Mal den Architekten eines Gebäudes wegen seines Urheberrechts um Erlaubnis bitten, wenn sie eine Fassade fotografieren und das Bild verwenden wollen.

Allerdings bezieht sich dieser Freibrief auch nur auf die Straßenperspektive, eben das, was das Publikum von der Straße aus mit eigenen Augen betrachten kann. Die Verwendung von Hilfsmitteln zur Veränderung der Aufnahmeperspektive – wie Leitern, Teleobjektive oder Fotodrohnen – sind über diese Regelung jedoch nicht abgedeckt. Wer solche Möglichkeiten nutzen möchte, muss also doch um Erlaubnis bitten.

Das Hausrecht respektieren

Auf Privatgelände und in Privaträumen gilt die Panoramafreiheit nicht. Hier ist das Hausrecht des Eigentümers oder des Mieters maßgebend. Sie bestimmen die Regeln für Fotos und deren Verwendung. Für gewerbliche Zwecke oder die Weitergabe an Bildagenturen gibt es einen Genehmigungsvorbehalt. Ähnliches gilt auch für typische Ausflugsziele wie Zoos oder Parkanlagen. Bei Letzteren gilt ungeachtet der öffentlichen Zugänglichkeit ebenfalls ein „Hausrecht“, das in eine Benutzungsordnung mündet.

Vorsicht bei vergänglicher Kunst

Eine weitere Klippe der Panoramafreiheit ergibt sich aus dem Begriff „bleibend“. So kann es richtig teuer werden, wenn es etwa um zeitlich begrenzte Kunstprojekte oder Kunstaktionen geht. Beispiel: Die Verhüllung des Reichtages von Christo und Jeanne-Claude war eine zeitlich begrenzte Aktion. Die Nutzungsrechte und die kommerzielle Verwertung lag beziehungsweise liegt in solchen Fällen bei den Künstlern oder deren Lizenznehmern. Erinnerungsfotos solcher Motive im öffentlichen Raum sind dann zwar erlaubt, jedoch ausschließlich für private Zwecke.

Nicht jede Speise darf fotografiert werden

Viele Nutzer von Instagram und Co. halten es für selbstverständlich, ihr Essen in einem Restaurant erst zu fotografieren und in die Welt zu posten, bevor sie davon kosten. Manchen Gastronomen stößt das mittlerweile sauer auf. Aufgrund des Hausrechts sollten Verbotsschilder ernst genommen werden. In der Spitzengastronomie sind außerdem Urheberrechte hinsichtlich der „Gestaltung“ von Speisen denkbar. Wenn der Koch eine einzigartige Kreation entwickelt hat, kann es sein, dass er sich Rechte vorbehält und diese auch durchzusetzen versucht.

Weiteres Fettnäpfchen: Bei solchen Fotos geraten meist Geschirr, Besteck und andere Utensilien mit ins Bild. Doch damit könnten Marken- und Designrechte verletzt werden. Kommt bei der Veröffentlichung im Netz ein gewerblicher Aspekt ins Spiel, kann dies zu unangenehmer Anwaltspost führen.

Auf Persönlichkeitsrechte achten

„Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden“, besagt § 22 des Kunsturhebergesetzes (KUG). Gemeint ist das „Recht am eigenen Bild“, das zu den Persönlichkeitsrechten zählt. Damit kommen Unterlassungs- und Schmerzensgeldansprüche ins Spiel, wenn etwa eine Person durch ein Foto blamiert wird. Zudem gibt es im Einzelfall auch strafrechtliche Aspekte. Bei Porträts muss also gefragt werden. Geraten Personen zufällig in eine Aufnahme eines anderen Motivs wie beispielsweise einer Marktszene oder einer Sehenswürdigkeit, gelten sie als Beiwerk (§ 23 KUG). Eine Genehmigung ist dann nicht erforderlich. Wo Menschen ein Motiv bestimmen („Pendler hetzt zum Zug“) sollten sie unkenntlich fotografiert werden – dann braucht es auch keine Genehmigung. ago, Quelle: www.guter-rat.de