Audi, Mercedes, BMW

Deutsche Autowirtschaft paradox: Wenn der Absatz sinkt und die Rendite steigt

Mitarbeiter im BMW-Werk Leipzig arbeiten in der Montage des i8. (Archiv)

Mitarbeiter im BMW-Werk Leipzig arbeiten in der Montage des i8. (Archiv)

München. Mercedes minus 8 Prozent, BMW minus 13 Prozent, Audi minus 20 Prozent. Das sind die Absatzrückgänge der drei deutschen Premiumhersteller im ersten Halbjahr weltweit. An Nachfrage mangelte es zuletzt nicht, auch wenn sich das gerade dreht. „Beim Auftragsbestand sind wir auf einem Allzeithoch“, betonte BMW-Chef Oliver Zipse in München. Was chronisch fehlt, sind massenhaft in Autos verbaute Halbleiter. Zudem wackeln Lieferketten wieder mehr, weil in China die Pandemie eine neue Runde dreht und die Produktion in Fabriken drosselt und Häfen blockiert.

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BMW muss sich nun davon verabschieden, den globalen Autoabsatz 2022 konstant halten zu können. Das Jahr werde leichten Rückgang bringen, kündigte Zipse an. Bis zu 5 Prozent weniger und damit etwa 2,3 Millionen Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce heißt das.

Damit bleibe BMW aber weltgrößter Hersteller von Premiumautomobilen, betont Zipse. Von solchem Volumendenken hat sich Mercedes-Amtskollege Ola Källenius verabschiedet. Die Stuttgarter wollen ihr Einstiegsmodell A-Klasse auslaufen lassen und setzen auf hochmargige Fahrzeuge. So eine Strategie ist zumindest kurzfristig höchst profitabel, zeigt die operative Margenentwicklung der Premiumtrios.

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Im reinen Autobau und bereinigt um Sondereffekte erreichen im ersten Halbjahr auf dieser Basis BMW knapp 13 Prozent, Mercedes gut 14 Prozent und Audi gut 16 Prozent Rendite. Wenn schon nicht alle nachgefragten Autos gebaut werden können, dann vor allem die margenträchtigsten, ist die gemeinsame Devise. Käuferrabatte werden auch nicht mehr gegeben. Das und die erstmalige Vollkonsolidierung des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens BBA sorgt bei BMW schon zum Halbjahr für fast eine Verdoppelung des Überschusses auf gut 13 Milliarden Euro. Das ist ein Firmenrekord.

Sollten die Versorgungsprobleme vor allem mit Chips nachlassen und auch untere Schichten der Autonachfrage wieder besser bedient werden können, dürften die Renditen der Autobauer aber wieder sinken – und das auch, weil immer mehr margenschwächere Elektroautos gebaut werden. So will BMW 2022 den globalen Absatz vollelektrischer Modelle (BEV) mehr als verdoppeln, was zum Halbjahr mit knapp 76.000 BEV-Verkäufen schon gelungen ist. Weit mehr als verdoppelt hat auch Mercedes den eigenen BEV-Absatz auf gut 45.000 Fahrzeuge, während Audi um gut die Hälfte auf über 50.000 vollelektrische Modelle zugelegt hat.

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BMW hängt zu zwei Dritteln am Energieträger Gas

Im Blick nach vorn rechnet das Premiumtrio 2022 mit einer eher bessern Jahreshälfte, was aber unter einem erheblichen Vorbehalt steht. Wenn Russland den Gashahn völlig zudreht, werden alle Pläne zur Makulatur. „BMW verbraucht jährlich 3.500 Gigawattstunden an Energie, zwei Drittel davon auf Basis von Gas“, sagt Zipse zum Ausmaß der eigenen Verwundbarkeit. Derzeit arbeite man im Konzern unter Hochdruck daran, für den Gasanteil notfalls andere Energieträger zu finden.

Von den auf Gas entfallenden rund 2.300 Gigawattstunden (GWh) Energiebedarf kommen bei BMW etwa 500 GWh auf Stromerzeugung, erklärte Zipse weiter. Die traue sich der Konzern zu, durch alternative Stromlieferungen zu kompensieren. Der große Rest, der für Wärme und in der Produktion als Prozessenergie vor allem in Autolackierereien benötigt wird, stehe aber unter großen Fragezeichen, räumt Zipse ein.

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Konkurrent Audi glaubt, etwa ein Fünftel des eigenen Gasbedarfs in Deutschland einsparen zu können, Mercedes spricht von der Hälfte. Auf eine solche Quote will sich Zipse nicht einlassen. Dazu kommt die Abhängigkeit des Premiumtrios von Zulieferern, bei denen die Produktion teilweise auch am Gas hängt.

Sollte es zum völligen Lieferstopp aus Russland kommen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Bänder in der Autoindustrie stillstehen, weil die Lieferkette irgendwo an entscheidender Stelle reißt. Probleme mit ausbleibenden Kabelsträngen aus ukrainischer Produktion früher im Jahr haben einen Vorgeschmack gegeben. Insofern mag derzeit die Sonne über den Premiumherstellern noch relativ kräftig scheinen. Eine Schlechtwetterfront könnte aber sehr rasch kommen und heftig ausfallen.

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