Doch kaum kurzfristige Hilfe?

Flughafenchaos: Verband rechnet mit 250 ausländischen Hilfskräften Mitte August

In manchen Bundesländern sind die Ferien schon wieder vorüber, bevor die ausländischen Flughafen-Hilfskräfte eingetroffen sind.

In manchen Bundesländern sind die Ferien schon wieder vorüber, bevor die ausländischen Flughafen-Hilfskräfte eingetroffen sind.

Es sollte eine schnelle und kurzfristige Lösung sein: Um die Lage an den deutschen Flughäfen in den Griff zu kriegen, kündigte die Bundesregierung Ende Juni an, auf ausländische Hilfskräfte zu setzen. Beschäftigte, die beispielsweise an türkischen Flughäfen nicht gebraucht würden, sollten unter erleichterten Bedingungen für ein paar Monate in Deutschland arbeiten können. Knapp fünf Wochen ist der von den Bundesministerien für Arbeit, Wirtschaft und Inneres vorgestellte Vorstoß jetzt her.

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Doch wo bleiben die Hilfskräfte? Alle Bundesländer sind mittlerweile in den Ferien, in Nordrhein-Westfalen neigen sie sich schon dem Ende zu. Laut dem Flughafenverband ADV hätten die ersten Saisonarbeiter und ‑arbeiterinnen nach vier Wochen eintreffen können, wie Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel im Juni sagte. Dazu müssten aber alle Rädchen ineinander greifen.

Wisag und Aeroground melden keinen Bedarf

Ob sie das tun, ist fraglich. Denn noch fehlt von den ausländischen Hilfskräften jede Spur. Damit sie an deutschen Flughäfen arbeiten können, müssen die Unternehmen Bedarf anmelden und den Bewerbungsprozess in die Wege leiten. Allerdings scheint das gar nicht überall der Fall zu sein: So teilte der Bodenverkehrsdienstleister Wisag auf RND-Anfrage mit, keinen Bedarf zu haben. Wisag ist unter anderem an den Flughäfen Frankfurt, Köln und Berlin tätig.

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Auch das Unternehmen Aeroground – am BER für die Abfertigung zuständig – sieht „aktuell keinen weiteren Personalbedarf“. Fraport, die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, räumte ein, noch mehrere Hundert neue Beschäftigte zu brauchen. Ob man bei der Neueinstellung allerdings auf die türkischen Beschäftigten zurückgreife, hänge „maßgeblich“ von ihrer Qualifikation ab. Das prüfe man natürlich, so ein Fraport-Sprecher, gleichzeitig würden aber die „Rekrutierungsbemühungen“ in anderen Ländern nicht nachlassen.

250 ausländische Helfende bis Mitte August

In einem nächsten Schritt folgt die Zuverlässigkeitsüberprüfung (ZÜP). Hier wiederum sind die Länder zuständig. Doch liegt beispielsweise der Gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg derzeit kein Antrag auf eine solche Zuverlässigkeitsüberprüfung für ausländische Hilfskräfte an Flughäfen vor, wie eine Sprecherin bestätigt. Auch bei der Bezirksregierung Düsseldorf waren vor wenigen Tagen noch keine derartigen Anträge eingegangen.

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Was bleibt also von dem Versprechen, mit mehreren Tausend ausländischen Beschäftigten den Urlaub der Deutschen zu retten? Thomas Richter, Vorstandsvorsitzender vom Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL), ist zumindest mit Blick auf den Süden optimistisch. „Es ist realistisch, dass bis Mitte August 250 ausländische Hilfskräfte da sind“ sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Saisonkräfte für München, Nürnberg, Frankfurt

In der Südhälfte Deutschlands, an den Flughäfen München, Nürnberg oder auch Frankfurt könnten sie dann wirklich Abhilfe verschaffen, so Richter. „Gerade am Flughafen in München tun sie richtig gut“, sagt er. „Das sind helfende Hände, die wir brauchen.“ Dort liege man bezüglich der erforderlichen Unterlagen in den „Endzügen“.

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Richter bemängelt allerdings die bürokratischen Hürden. Für die Zuverlässigkeitsüberprüfung, sagt er, müssten drei Dinge gegeben sein. Ein polizeiliches Führungszeugnis, eine Wohnsitzbestätigung der vergangenen zehn Jahre und Nachweis der beruflichen Tätigkeiten in den vergangenen fünf Jahren. Gerade letztere Nachweise können in Ländern, die kein Melderegister wie in Deutschland haben, eine schwierige Hürde sein. „Wir legen unsere inländischen Maßstäbe im Ausland an“, kritisiert er.

Beisel: Bewerber springen wieder ab

„Ich hoffe, dass diese Aktion jetzt auch zeigt, dass wir in Zukunft ein Augenmerk auf die Entbürokratisierungen setzen sollten“, so der ABL-Vorstandsvorsitzende weiter. „Dabei sollte es um wohlwollendere Prüfungen gehen, ohne dabei natürlich von den Sicherheitsstandards abzuweichen.“

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Bei einer mehrwöchigen Wartezeit bis zum Abschluss der Zuverlässigkeitsüberprüfung springen viele potenzielle Bewerber ab und nehmen Angebote aus anderen Branchen an.

Ralph Beisel,

Hauptgeschäftsführer Flughafenverband ADV

Auch ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel übt Kritik: „Generell stellt die lange ZÜP-Bearbeitungsdauer eine hohe Einstellungshürde dar, die es in keiner Branche außer dem Luftverkehr gibt. Bei einer mehrwöchigen Wartezeit bis zum Abschluss der ZÜP springen viele potenzielle Bewerber ab und nehmen Angebote aus anderen Branchen an“, sagte Beisel dem RND. Auch er plädiert für eine andere Vorgehensweise. „Die Rekrutierung von dringend benötigtem Personal kann durch eine effizientere und damit kürzere Zuverlässigkeitsüberprüfung deutlich erleichtert werden, ohne dass auf Sicherheitsstandards verzichtet wird.“

Richter: „Kalender hat uns eingeholt“

So oder so: Sollten in den nächsten Tagen wirklich 250 Menschen eintreffen, um an deutschen Flughäfen zu arbeiten, wären das deutlich weniger, als vor wenigen Wochen angekündigt. Für den südlichen Teil Deutschlands mag das etwas Abhilfe verschaffen. Für den Norden kommt das mit Blick auf den baldigen Schulanfang allerdings zu spät. „Da hat uns der Kalender eingeholt“, sagt Richter.

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