Darf deutscher Whisky „Glen“ heißen?

Denkt ein europäischer Durchschnittsverbraucher bei „Glen“ sofort an schottischen Whisky? Diese Frage muss nun das Landgericht Hamburg klären.

Denkt ein europäischer Durchschnittsverbraucher bei „Glen“ sofort an schottischen Whisky? Diese Frage muss nun das Landgericht Hamburg klären.

Hannover. Mälzen, schroten, maischen, gären, destillieren und lagern: Was am Ende in die Flasche kommt, darf sich – je nach Herstellungsort – Whiskey (USA, Irland) oder Whisky (Schottland) nennen. Für Liebhaber dieses hochprozentigen Destillats brechen unsichere Zeiten an. Gerade erst hat die EU gedroht, als Vergeltung amerikanischen Whiskey mit hohen Strafzöllen zu belegen, sollte der US-Präsident ähnliches für Stahlimporte aus Europa verfügen. Dann müssten die hiesigen Freunde von Jim Beam und Jack Daniel's künftig deutlich mehr für ihre Markentreue berappen.

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Glenfiddich, Glen Moray und Glenlivet

Doch damit nicht genug: Auch wer deutsche Whiskys bevorzugt, muss sich womöglich umgewöhnen. Zwar nicht beim Preis, aber beim Namen – wenn das Getränk den Begriff „Glen“ trägt. Dieser Ausdruck stammt aus der gälischen Sprache, die heute noch in Teilen Schottlands gesprochen wird, und bezeichnet ein schmales Tal. Viele bekannte schottische Whiskys tragen das Tal im Namen – von Glenfiddich über Glen Moray bis Glenlivet. Das ist der Scotch Whisky Association auch aufgefallen, und der Branchenverband beansprucht jetzt vor Gericht „Glen“ ausschließlich für Hochprozentiges aus dem Norden Großbritanniens.

Blöd für den "Glen Buchenbach", einen Whisky aus der Nähe von Stuttgart. Deutsche Richter stehen nun vor der undankbaren Aufgabe, herausfinden zu müssen, ob ein europäischer Durchschnittsverbraucher bei "Glen" sofort an schottischen Whisky denkt – oder ob auch schwäbischer infrage kommt. Diese Aufgabe hat ihnen der Europäische Gerichtshof in einem Urteil aufgetragen. Man könnte argumentieren, dass im "Glen" doch auch die typisch schwäbische Silbe "le" vorkommt. Aber ob das die Schotten besänftigt?

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Von Helmuth Klausing/RND

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