Deutschlands Automarkt liegt am Boden

In vielen Autofabriken stockt die Produktion wegen Teilemangels.

In vielen Autofabriken stockt die Produktion wegen Teilemangels.

Die Autobranche hat einen schlechten Start ins Jahr. Nachdem die Verkäufe in Deutschland schon im Januar eingebrochen waren, hat der Februar nur wenig Besserung gebracht: 194.300 Autos wurden neu zugelassen, das waren 19 Prozent weniger als im Februar 2020.

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Der Markt läuft auf ein katastrophales Jahresergebnis zu.

Reinhard Zirpel

VDIK-Präsident

„Der deutsche Pkw-Markt läuft erneut auf ein katastrophales Jahresergebnis zu“, sagte VDIK-Präsident Reinhard Zirpel, dessen Verband die ausländischen Hersteller vertritt. In den ersten beiden Monaten zusammen ist die Nachfrage sogar um 25 Prozent eingebrochen. „Das ist im weiteren Jahresverlauf kaum aufzuholen“, sagte Zirpel. „Entscheidend ist jetzt, dass der Autohandel zum Beginn des Frühjahrsgeschäfts wieder öffnen kann.“

Etwas Stabilität bringen im Moment die Elektroautos. Nachdem der Januar auch hier enttäuschend gelaufen war, wächst das Interesse wieder: 40.160 reine E-Autos und Plug-in-Hybride wurden im Februar verkauft, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Damit ist hier wieder ungefähr das Niveau vom Jahresende 2020 erreicht. Wegen des Einbruchs bei den klassischen Antrieben hat derzeit schon jeder fünfte Neuwagen einen Elektromotor an Bord.

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Besserung im zweiten Halbjahr

Der schwache Jahresstart hat allerdings nicht nur mit geschlossenen Läden und geringer Nachfrage zu tun. Die Hersteller hatten im Dezember alles getan, um das Ergebnis für 2020 zu retten und vor allem durch den Verkauf von E-Autos ihre CO₂-Bilanz aufzubessern. Außerdem galt im Dezember noch die niedrigere Mehrwertsteuer. So wurden viele Verkäufe vorgezogen, danach folgt erst einmal die von vielen Experten vorausgesagte Flaute. Peter Fuß, Autoexperte bei der Unternehmensberatung EY, rechnet aber mit Besserung: „Sobald die Autohäuser wieder geöffnet sind, werden auch die Neuzulassungen deutlich nach oben gehen“, der Nachholbedarf sei enorm. Allerdings bezweifelt auch er, dass das genügen wird, um den Fehlstart auszugleichen.

Im Unterschied zu früheren Krisen liefern sich die Autohersteller aktuell keine großen Rabattkämpfe, um Kunden zu locken. Einige Marken hätten zwar die Tageszulassungen zuletzt erhöht, berichtet Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer in seiner jüngsten Marktanalyse. „Bei den klassischen Prämienaktionen halten sich die Autobauer zurück.“ Daran wird sich nach seiner Einschätzung auch in den nächsten Monaten nicht viel ändern. Denn dank Kurzarbeit müssen die Werke nicht so hoch ausgelastet werden wie sonst. Und weil Mikrochips knapp sind, kann aktuell ohnehin nicht so viel produziert werden. Auch beim Stahl fürchtet die Industrie Lieferengpässe. Beide Branchen hatten die Produktion in der Krise heruntergefahren und konnten sie nicht schnell genug wieder steigern. Außerdem bedienen sie erst einmal bevorzugt die Bereiche mit größerer Nachfrage – Hersteller von Unterhaltungselektronik ins Asien, zum Beispiel.

Chips gehen nach China

Nach Dudenhöffers Einschätzung treffen sich deshalb sogar die Interessen: „Da Halbleiter knapp sind, macht es Sinn, seine Produktion dort stärker zum Laufen zu bringen, wo mit besserer Marge verkauft wird. Und das ist eindeutig in China. Der Markt entwickelt sich prächtig, die Halbleiter gehen nach China und sparen den Autobauern in Deutschland teure Rabattaktionen.“ Nach Angaben des Branchenverbands VDA liefen in deutschen Autofabriken im Januar und Februar insgesamt 560.700 Pkw vom Band, 23 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. EY-Experte Fuß rechnet aber mit einer Erholung vor allem durch die Elektroautos. „Spätestens in der zweiten Jahreshälfte dürften die aktuellen Lieferprobleme, die auch auf die bekannten Chip-Engpässe zurückzuführen sind, der Vergangenheit angehören.“

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