RND-Kolumne „Börsenwoche“

Leitzinserhöhung der US-Notenbank: Die Anleger sind mit Verspätung aufgewacht

Jerome Powell ist Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve.

Jerome Powell ist Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve.

Manchmal muss man einfach drüber schlafen. Als Fed-Chef Jerome Powell am Mittwochabend in Washington die Zinsbeschlüsse der Notenbank vorstellte, machte sich an den US-Börsen – die Europäer waren schon im Feierabend – große Erleichterung, ja Begeisterung breit. Nach vielen Spekulationen im Vorfeld nahm sich die angekündigte Leitzinserhöhung um einen halben Prozentpunkt fast schon wieder bescheiden aus, zumal Powell andeutete, dass auch die nächsten Schritte nicht größer ausfallen sollen. So ging es mit den Kursen erst einmal steil aufwärts, bis sich auch in den USA die Händler schlafen legten.

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Am Freitag ging es weiter abwärts

Als sie wieder aufwachten, sahen viele die Sache mit anderen Augen und machten aus dem Donnerstag den schwächsten Börsentag in den USA seit mehr als eineinhalb Jahren. Die Standardwerte rutschten um 3 bis 4 Prozent, die Technologiewerte an der Nasdaq sogar um 5 Prozent. Die Gewinne vom Vortag waren schnell wieder ausradiert, und am Freitag ging es weiter abwärts. Gleichzeitig sind auch die Anleihenkurse gefallen.

Gibt es wirklich Grund zur Panik?

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Es ist nicht so, dass sich die Welt nach dem Powell-Auftritt über Nacht verändert hätte. Es reifte wohl nur der Verdacht, dass die Erleichterung voreilig gewesen sein könnte – oder nur ein kurzlebiges Kalkül der Trader. Letztlich, so die Befürchtung, werden die Zinsen in den USA doch schneller steigen müssen, als es Powells Plan im Moment vorsieht. Das würde zwar die Inflation bremsen, wahrscheinlich aber auch die Wirtschaft in die Rezession treiben. Es ist das hässliche Szenario und würde jene bestätigen, die den Notenbanken vorwerfen, zu spät auf die Inflation reagiert zu haben.

All das spiegelt sich am deutschen Markt und brachte dem Dax einen deutlichen Wochenverlust. Der Freitagnachmittag besiegelte die schlechte Bilanz: Nach einem schwachen Start des US-Handels rutschten M-Dax und Tec-Dax in Deutschland noch mehr als 3 Prozent ins Minus. Eine „immens hohe Abwärtsdynamik“ haben die Analysten der Hypovereinsbank beobachtet und ein klares Übergewicht der Pessimisten, der „Bären“. Der Dax rutschte so zügig unter 13.700 Punkte, dass die Charttechniker eher eine Fortsetzung erwarten als eine Trendwende. Und wer auf Fundamentales schaut, hält sich ohnehin schon seit Längerem vom Risiko fern.

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