Werk für Elektroautos

Die Turbofabrik: Tesla darf schon bald in Grünheide produzieren

Die Baustelle der Tesla-Fabrik in Brandenburg. Die Entscheidung über die Genehmigung der Fabrik von US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide bei Berlin rückt näher.

Die Baustelle der Tesla-Fabrik in Brandenburg. Die Entscheidung über die Genehmigung der Fabrik von US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide bei Berlin rückt näher.

Berlin. Im Februar 2020 fielen die ersten Bäume eines Kiefernforstes am Rand der Autobahn 10 östlich von Berlin. Etwas mehr als zwei Jahre später wird hier, im brandenburgischen Grünheide, das neue Tesla-Werk den Betrieb aufnehmen. Für deutsche Verhältnisse ist das geradezu Lichtgeschwindigkeit. Für Tesla-Boss Elon Musk ging alles dennoch quälend langsam.

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Die Brandenburger Staatskanzlei erklärte am Donnerstag, das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für die Elektroauto- und die Batteriefabrik sei kurz vor dem Abschluss. Am Freitag geben Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Landesumweltminister Axel Vogel (Grüne) und Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sowie der Bürgermeister von Grünheide, Arne Christiani, eine Pressekonferenz. Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) und der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ (MAZ) wird mit einem positiven Bescheid gerechnet.

Die Genehmigung soll nach „MAZ“-Informationen mehrere Hundert Seiten umfassen, mit Anhang sollen es mehrere Tausend Seiten sein. Von 65 Aktenordnern ist die Rede. Wie es weiter heißt, enthält die Genehmigung „eine Menge Auflagen“, was bei einem Projekt dieser Größenordnung allerdings zu erwarten gewesen sei. Das Landesamt für Umwelt hat vermutlich äußerst penibel geprüft. Einsprüche von Gegnern der Fabrik, die in einem Wasserschutzgebiet liegt, sind zu erwarten.

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Tesla darf nicht sofort mit der Produktion seiner Elektroautos für den Verkauf beginnen. Dafür ist noch eine Betriebsgenehmigung erforderlich. Der Konzern plant anscheinend, die ersten Fahrzeuge des Typs Model Y schon im März auszuliefern. Seit Jahresanfang läuft bereits eine Probeproduktion von 2000 nicht für den Verkauf bestimmten Karossen.

Firmenchef Musk wird am 22. oder 23. März voraussichtlich zu einer Eröffnungszeremonie in Grünheide erwartet, berichtete der „Tagesspiegel“. Er hatte ursprünglich bereits im Juli 2021 mit der Produktion beginnen wollen. Daraus wurde auch deswegen nichts, weil Tesla während des Baus die Antragsunterlagen mehrfach überarbeitete und änderte. So soll auch eine Batterieproduktion in Grünheide angesiedelt werden.

Tesla-Werk mit 21 vorläufigen Genehmigungen errichtet

Bis zu einer halben Million Elektroautos pro Jahr sollen das Werk verlassen, mit 12.000 Arbeitsplätzen wird bereits in der ersten Ausbaustufe gerechnet. Rund 2600 Menschen arbeiten zurzeit schon im Werk.

Tesla hat das Werk mit 21 vorläufigen Genehmigungen errichtet. Wirtschaftsminister Steinbach hält das für beispielhaft: „Hätte sich ein deutscher Konzern in Grünheide angesiedelt, wäre jetzt vielleicht gerade einmal der Wald gerodet“, sagte er vor Kurzem dem RND. „Tesla hat anders agiert, aber wir haben keine Gesetze für Tesla geändert. Jeder andere Investor hätte genauso agieren können.“

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Für Brandenburg war die Tesla-Ansiedlung ein Coup, der auch verschmerzen ließ, dass die Fabrik Tesla-intern als „Giga Berlin“ bezeichnet wird. Die Mark liegt im Vergleich der Bundesländer nach Bruttoinlandsprodukt bisher nur auf Platz elf, hat eine Reihe gescheiterter Industrieansiedlungen und den Strukturwandel im Braunkohlerevier Lausitz zu verkraften.

„Unser Ziel ist es, dass diese Region spätestens Ende dieses Jahrzehnts eine der wirtschaftlich stärksten Regionen in Deutschland ist“, sagt Ministerpräsident Woidke nun dem RND. „Wir wollen eine Region klimaneutraler Mobilität und klimaneutraler Produktion werden“, verspricht Woidke.

Bürgermeister Christiani: „Lottogewinn für Grünheide“

Diese Vision teile er mit Musk. Am Tesla-Boss sei „seine unglaubliche Detailtiefe“ beeindruckend – „sowohl in technischen Fragen als auch das Genehmigungsverfahren betreffend“. Auch Steinbach ist voll des Lobes über den exzentrischen Milliardär: „Elon Musk ist ein sehr offener Mensch, mit dem man auftretende Herausforderungen einfach ansprechen kann“, sagt er dem RND.

Von einem „Lottogewinn für Grünheide“ spricht Bürgermeister Christiani. Er meint damit gar nicht so sehr die erwarteten Gewerbesteuereinnahmen für die 9000-Einwohner-Gemeinde, sondern vor allem die Ausbildungschancen bei Tesla, die jährlich zwischen 100 und 150 Auszubildende und Werkstudierende einstellen wollen. Aus der Berliner Speckgürtelgemeinde mit sechs weit verstreuten Ortsteilen wird nun ein Industriestandort. Bisher pendelten viele Grünheider nach Berlin, nun werden die Pendlerströme in die andere Richtung gehen.

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Zwischen Seen und Wald ist rund ums Tesla-Werk so gut wie kein Platz für neue Wohngebiete, also wird der allergrößte Teil der Tesla-Werker von außerhalb kommen – nach Schätzungen gut die Hälfte aus Berlin, ein gutes Drittel aus Brandenburg und ein knappes Zehntel aus Polen.

Auf dem Marktplatz in Grünheide herrschte wenige Tage vor der Entscheidung keinerlei Tesla-Euphorie. Viele Menschen machen sich Sorgen wegen der Verkehrsbelastung durch das Werk und sorgen sich um die Wasserversorgung in der zwar gewässerreichen, aber grundwasserarmen Gegend.

Am Freitag, parallel zur Pressekonferenz in Potsdam, urteilt das Verwaltungsgericht in Frankfurt (Oder) über eine Klage der Umweltverbände Grüne Liga und Nabu gegen eine wasserrechtliche Genehmigung, die auch das Werk des US-Elektroautobauers betrifft. Sollte diese Klage erfolgreich sein, hat der lokale Wasserverband angekündigt, den Versorgungsvertrag mit Tesla zu kündigen.

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