Provinzial

Eine Fusion und viele Bremser

Foto: Hier arbeiten rund 1000 Beschäftigte: der Provinzial-Standort in Kiel.

Hier arbeiten rund 1000 Beschäftigte: der Provinzial-Standort in Kiel.

Kiel. Offiziell ist weiter von „ergebnisoffenen Verhandlungen“ die Rede, die „sehr gründlich“ und „nach vorne gerichtet“ geführt würden. Doch nach Informationen von KN-online spricht derzeit vieles dafür, dass auch der mittlerweile fünfte Anlauf für einen Zusammenschluss von Provinzial Nordwest (Münster/Kiel) und rheinländischer Provinzial (Düsseldorf) am Ende im Sande verlaufen dürfte.

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Ein Knackpunkt ist die Frage der Bewertung

Ganz oben auf der Liste der Knackpunkte steht die Frage: Wie viel sind die beiden Versicherungsunternehmen eigentlich wert? Die Antwort darauf ist nicht nur entscheidend für die Verteilung künftiger Gewinne, sondern bestimmt auch über den Einfluss der einzelnen Eigentümergruppen auf das fusionierte Unternehmen. Folglich klaffen die Einschätzungen weit auseinander.

Landschaftsverbände bangen um Einfluss

Dass der Zusammenschluss wirtschaftlich sinnvoll sein mag, bestreitet keiner der Eigentümer. Doch die Beharrungstendenzen bei den Eigentümern sind gewaltig, zumal die Ertragslage, insbesondere der Provinzial Nordwest (Konzernjahresüberschuss 2017: über 60 Millionen Euro), noch eine ganze Weile erfreuliche Ausschüttungen erwarten lässt. Vor allem bei den beiden mächtigen Landschaftsverbänden Westfalen-Lippe und Rheinland – öffentlich-rechtliche Körperschaften, die Schulen, Kliniken und Kultureinrichtungen für rund 19 Millionen Menschen betreiben – ist die Fusionsneigung schwach ausgeprägt. Ihr Anteil an einem fusionierten Unternehmen würde deutlich schrumpfen – und damit auch ihr Einfluss.

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Gestritten wird auch über die Frage der Rechstform

Doch selbst, wenn die Bewertungsfragen beantwortet sein sollten, türmen sich gleich die nächsten Probleme auf. Da ist zunächst die unterschiedliche Rechtsform: Während die Provinzial Rheinland als Anstalt öffentlichen Rechtes firmiert, ist die Provinzial Nordwest eine Aktiengesellschaft. Die Neigung auf rheinländischer Seite, das Unternehmen als AG zu führen ist, gelinde gesagt, gering – auch, weil das Aktienrecht deutlich weniger Raum für politischen Einfluss lässt.

Und natürlich sorgt die Frage der Standorte für jede Menge Zündstoff. Hier geht es nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um Gewerbesteuern. „Dies ist eine Frage, die zu einem späteren Zeitpunkt zu klären wäre“, heißt es in einem internen Brief des Provinzial-Nordwest-Vorstandes an die Mitarbeiter.

Wird es gelingen, den gordischen Knoten zu durchschlagen? „Nicht, solange jeder nur seine eigenen Interessen im Blick hat“, sagt ein Branchen-Insider, der schon einige der Fusionsanläufe miterlebt hat: „So jedenfalls dürfte es auch diesmal nichts werden.“

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