Inflation: Warum die wichtigste Zahl des Monats überraschend fehlt
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Für die Inflationsstatistik werden jeden Monat Zehntausende Preise erhoben.
© Quelle: Sven Hoppe/dpa
Am letzten Tag des Monats bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher normalerweise schriftlich, was sie auch selbst schon gemerkt haben: Das Leben ist teurer geworden. Um wie viel Prozent genau, das haben die Statistikämter ausgerechnet und veröffentlichen alle vier Wochen die vorläufige Inflationsrate – aber nicht am 31. Januar 2023. Der Termin wurde überraschend verschoben.
Es gebe ein „technisches Problem in der Datenaufbereitung“, teilt das Statistische Bundesamt Destatis auf seiner Webseite mit. Konkreter könne man nicht werden, „da noch nach der Fehlerursache gesucht wird“, teilte die Behörde auf RND-Nachfrage mit.
Jedes Bundesland liefert Zehntausende Preise
Die Veröffentlichung sei nun für die Woche vom 6. bis 10. Februar geplant, der genaue Termin soll am Freitag bekannt gegeben werden. Das bringt auch die EU‑Statistiker ins Schlingern, die an diesem Mittwoch die Inflationsdaten für die Eurozone veröffentlichen wollen. Für die größte europäische Volkswirtschaft werden sie sich dabei nun mit einer Schätzung behelfen. Das gilt auch für die Europäische Zentralbank, die am Donnerstag über die Leitzinsen entscheidet und sich dabei maßgeblich auf Inflationsdaten stützt.
Nach RND-Informationen haben alle Landesämter Probleme, ihre Daten bereitzustellen. Denn die Preisstatistik geht einen langen Weg, bevor die bundesweite Zahl von Destatis veröffentlicht wird. Rund 55.000 einzelne Preise werden monatlich ermittelt – jeweils immer das gleiche Produkt beim gleichen Anbieter. Nur der kleinere Teil davon wird zentral von Destatis erhoben.
Zehntausende Preisdaten gibt es dagegen für jedes Bundesland getrennt, denn die Entwicklung unterscheidet sich zum Teil spürbar. So stiegen die Verbraucherpreise in Bremen im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent, im Saarland dagegen um 7,1 Prozent. Aus den Daten der Landesämter errechnet Destatis dann die bundesweite Inflationsrate – im vergangenen Jahr 7,9 Prozent.
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Inflation dürfte im Januar gestiegen sein
Im Januar dürfte die Inflation wieder gestiegen sein. Nach dem Jahreshoch von 10,4 Prozent im Oktober ging sie danach etwas zurück. Im Dezember waren die Verbraucherpreise durchschnittlich noch 8,6 Prozent höher als im gleichen Monat des Vorjahrs. Für den Januar haben Volkswirte noch einmal eine Beschleunigung vorausgesagt, bevor dann im März der Abwärtstrend beginnen soll.
Dafür sorgt allein schon der Basiseffekt: Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine verteuerte sich Energie im Frühjahr 2022 sprunghaft. Inzwischen sind sie zumindest im Großhandel wieder gesunken, und zudem werden die Preise bald mit einer deutlich höheren Ausgangsbasis von vor einem Jahr verglichen.