HSH-Verkauf

Marnette spricht von Bilanzschwindel

Foto: Werner Marnette (72) hält den Verkauf der HSH Nordbank für einen "Deal" bei dem Hedgefonds gewinnen und Steuerzahler verlieren. 

Werner Marnette (72) hält den Verkauf der HSH Nordbank für einen "Deal" bei dem Hedgefonds gewinnen und Steuerzahler verlieren.

Kiel. Neun Jahre ist Ihre Zeit als Minister her. Mit 72, als aktiver Unternehmensberater und leidenschaftlicher E-Bike-Fahrer könnten Sie sich doch um schönere Dinge kümmern. Warum treibt Sie das Thema HSH heute noch um?

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Werner Marnette: Ich kenne die Sprüche über mich, vom alten Mann und seinem Rachefeldzug. Das ist völliger Quatsch. Ich möchte erreichen, dass allen Menschen bewusst wird, wie groß der angerichtete Schaden ist – insbesondere für Schleswig-Holstein mit seiner prekären Finanzlage. Aber auch, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Hoffen Sie, dass der Verkauf der Bank scheitert?

Das ist kein Verkauf. Das mit der angeblichen Milliarde als Kaufpreis ist Bilanz-Schwindel. Was wir hier sehen, ist ein Deal, wo man den Hedgefonds so weit entgegen gekommen ist, dass man die Bank von den schlimmsten Krediten entlastet und diese dann den Bürgern aufs Auge gedrückt hat. Ich halte es für bilanztechnisch kriminell, dass nachträglich noch faule Kredite der Bank per 31. 12. 2017 mit riesigen Abschlägen in eine Zweckgesellschaft ausgelagert wurden, die den neuen Eigentümern gehört. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass diese Bank selbst jetzt noch ordnungsgemäß abgewickelt werden muss kann, aber dann unabhängig von Bankvorständen und politischen Spielern in Hamburg und Schleswig-Holstein, die möglicherweise die ganzen Tricks nicht durchschauen oder sogar eigene Interessen verfolgen. Das Geld kriegen wir nicht wieder, darüber müssen wir uns im Klaren sein.

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Macht es Sie nicht nachdenklich, dass die Staatsanwaltschaften ihre Betrugsanzeige gegen Tschentscher und Heinold abgewiesen haben?

Nein. Denn in der Absage der Ermittler waren sehr interessante Aussagen drin. Zum Beispiel, dass man Regierungsvertreter gar nicht zur Verantwortung ziehen kann, denn die machen nur Vorschläge. In der Verantwortung steht jeder einzelne Abgeordnete. Wenn er sich nicht umfassend informiert hat, sondern etwas abnickt, weil der Vorturner im Finanzausschuss gesagt hat, dass sei so in Ordnung, dann macht er sich strafbar.

Wie wird es mit der Bank weitergehen, wenn der Verkauf vollzogen wird?

Diese Bank, das sage nicht nur ich, brauchen wir nicht. Cerberus, Flowers und die anderen Hedgfonds werden die HSH wie ein Inkassounternehmen nutzen, einige Milliarden herausziehen und die Bank dann pleite gehen lassen.

Fragen: Ulrich Metschies

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