Energiebedarf

Putins Erdgas boykottieren – kann Biogas eine Lösung sein?

Wenn in Deutschland mit Gas gekocht oder geheizt wird, kommt der Energieträger häufig aus Russland.

Wenn in Deutschland mit Gas gekocht oder geheizt wird, kommt der Energieträger häufig aus Russland.

Berlin. Die Gaspreise steigen und steigen – und nun wird mit dem Verkauf von sibirischem Gas, das in großen Mengen deutsche Haushalte heizt, auch noch ein Krieg mitten in Europa finanziert. Viele Endkunden und Endkundinnen wollen da nicht mitmachen. Doch welche Möglichkeiten haben sie überhaupt?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Hat man eine Gasheizung und kann oder möchte man die nicht wechseln, sind die Optionen begrenzt. Eine Möglichkeit wäre der Umstieg auf einen Tarif, der zu 100 Prozent auf Biogas setzt. Also einen Brennstoff, der aus organischen Abfällen, Resten aus der Landwirtschaft oder eigens dafür angebauten Pflanzen auch direkt in Deutschland hergestellt wird. Hierzulande sind solche Tarife aber bisher ein reines Nischenprodukt.

Zu den wenigen Anbietern, die mit einem entsprechenden Angebot aufwarten, gehört die Firma Polarstern aus München, die ihr Biogas aus Anlagen in Ungarn und Großbritannien bezieht. Auch wenn letztlich bei jedem Verbraucher der gleiche Gasmix ankommt, ist eine Entscheidung für einen Biogastarif nicht wirkungslos.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Mit der Entscheidung für 100 Prozent Biogas sorgen Kundinnen und Kunden dafür, dass in der Höhe ihres Gasbedarfs Biogas erzeugt wird. Je mehr Kundinnen und Kunden sich für Biogas entscheiden, umso grüner wird quasi auch der Gasmix“, sagt Anna Zipse, Pressesprecherin des Unternehmens. Bislang allerdings ist der Biogasanteil im deutschen Netz nur marginal.

Wachstumspotenzial scheint beschränkt zu sein

Auch wenn Polarstern versichert, genügend Biogas auch für Neukunden zu haben und Verträge weiterhin anbietet, scheint das Wachstumspotenzial begrenzt zu sein. „Der Ausbau im Bereich Biogas, gerade für die Wärmeversorgung, wurde verschlafen beziehungsweise war lange unattraktiv, und daher fehlt es heute an Biogasmengen“, erklärt Zispe.

Der Anbieter Naturstrom hat vor einigen Monaten seinen Tarif mit 100 Prozent Biogas für Neukunden ausgesetzt. Pressesprecher Tim Loppe zufolge liege das daran, dass in Deutschland zu wenig von dem Brennstoff verfügbar ist: „Es gibt in Deutschland nur 230 Anlagen, die Biogas in das Netz einspeisen.“

Ein Großteil des in den bundesweit knapp 10.000 Biogasanlagen produzierten Energieträgers würde lokal verbraucht, in Strom umgewandelt oder aufbereitet als Treibstoff an Tankstellen landen. Einen Tarif mit zehnprozentiger Beimischung von Biogas bietet Naturstrom aber noch an. „Das Biogas dafür kommt aus drei Anlagen in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg“, so Loppe. Dort seien es unter anderem Reststoffe aus der Landwirtschaft wie Zuckerrübenschnitzel, aus denen das Gas produziert wird.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Verbraucherzentrale NRW rät sogar ganz vom Umstieg auf Biogas ab. „Verbraucher sollten sich lieber Gedanken darüber machen, wie sie von der Gasheizung mittelfristig wegkommen. Wärmepumpen und Fernwärme sind Heizsysteme der Zukunft, Biogas nicht. Die Kapazitätsgrenzen bei Biogas sind schon jetzt erreicht“, sagt Christina Wallraf, Referentin für Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale.

Deutlich teureres Biogas

Dabei sei nicht nur das geringe Angebot an Tarifen ein Grund. Häufig würden für das Gas eigens Pflanzen wie Mais angebaut. Damit konkurriere die Energieerzeugung mit der Lebensmittelproduktion und könne selbst wiederum mit Umweltproblemen und Energieaufwand verbunden sein.

Hinzu kommt, dass reines Biogas deutlich teurer ist als ein herkömmlicher Gastarif. Bei Polarstern muss man aktuell mit gut 22 Cent pro Kilowattstunde Biogas rechnen. Ein Tarif für Neukunden, der rein auf fossilem Erdgas basiert, liegt bei um die 15 Cent. Die große Lösung für viele Menschen, um auf russisches Erdgas zu verzichten, ist Biogas also auch preislich nicht.

Eine erhöhte Nachfrage seit dem Angriff Putins in der vergangenen Woche haben auch weder die beiden Anbieter Polarstern und Naturstrom noch die Vergleichsportale Check 24 und Verivox registrieren können, wie eine RND-Anfrage ergab. Bei den Elektrizitätswerken Schönau (EWS), die Biogas aus Deutschland, das aus Abfällen der Papierindustrie hergestellt wird, vertreiben, sieht es hingegen anders aus.

Nach Angaben des Geschäftsführers Rainer Sylla haben sich die Anfragen seit Kriegsbeginn fast verdoppelt. Nachkommen können habe man diesem Wunsch der Kunden aber nicht. Weil es nicht genug qualitativ hochwertiges Biogas auf dem Markt gebe, könne man im Moment keine Neukunden aufnehmen. Man suche aber bereits nach neuen Lieferanten und sehe – wenn auch ein begrenztes – weiteres Wachstumspotenzial.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wer Putins Krieg nicht mit seinem Gasverbrauch mitfinanzieren möchte, hat als Endverbraucher zum jetzigen Zeitpunkt schlechte Karten und muss auf eine Umstrukturierung der Gasimporte warten. Oder seine Technik umstellen und auf einen anderen Brennstoff setzen. Das einzige, was man bis dahin machen kann, sei der Verbraucherzentrale zufolge, sparsam mit Erdgas umzugehen und auf die richtige Einstellung der Heizung zu achten.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken