Energiekrise

Strom und Gas in Schleswig-Holstein: Preise steigen wie noch nie

Auch in Schleswig-Holstein erhöhen viele Anbieter die Preise für Strom und Gas drastisch.

Auch in Schleswig-Holstein erhöhen viele Anbieter die Preise für Strom und Gas drastisch.

Kiel. Unmittelbar vor Einführung der staatlichen Energiepreisbremsen drehen zahlreiche Versorger kräftig an der Preisschraube. Zum 1. Januar 2023 steigen die Strom- und Gastarife auch für viele schleswig-holsteinische Haushalte um Größenordnungen bis zu 100 Prozent. Bei den Stadtwerken Kiel wird Gas um vergleichsweise moderate 17 Prozent teurer. Den Strompreis wird das Unternehmen zum Jahreswechsel zwar nicht erhöhen, doch gab es hier erst im November einen Schub von 50 Prozent.

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Wie sehr die astronomischen Erhöhungen die Haushalte tatsächlich belasten, ist noch unklar, da die Details der geplanten Strom- und Gaspreisbremsen politisch noch festgezurrt werden. "Wenn die Kunden uns fragen, was auf sie zukommt, können wir leider noch keine Antwort geben", sagt Frank Repenning, Vertriebschef der Stadtwerke Schleswig-Holstein. Mit Hinweis auf gestiegene Beschaffungskosten und höhere Netzentgelte hebt das Unternehmen – zuständig auch für Rendsburg und Eckernförde – den Strompreis um etwa 70 Prozent an, Gas wird rund 50 Prozent teurer. Repenning: "So eine verrückte Entwicklung habe ich noch nicht erlebt."

EWS Bad Segeberg: Strom 86 Prozent teurer, Gas 102 Prozent

Ähnlich die Entwicklung bei anderen Versorgern: EWS (Bad Segeberg/Wahlstedt) schraubt den Arbeitspreis für Strom um 86 Prozent hoch, die Kilowattstunde Gas verteuert sich um 102 Prozent. Für einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt steigen die Stromkosten (ohne staatliche Bremse) von 1170 auf 2111 Euro pro Jahr, die Gaskosten klettern im Schnitt sogar von 1916 auf 3684 Euro pro Jahr. Bei den Versorgungsbetrieben Kronshagen kostet die Kilowattstunde Strom ab Januar 49,56 Cent – Anstieg: 83 Prozent.

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Derzeit fliehen viele Kunden regelrecht in die Arme ihres Grundversorgers, weil die Preise für Sonderverträge teilweise noch kräftiger steigen. Manche ehemals expansiven Anbieter – wie etwa die Stadtwerke Flensburg – kündigen Kunden außerhalb ihres Geschäftsgebietes oder schicken ihnen regelrechte Abwehrangebote. „Zu uns kommen in jeder Woche 100, 200 oder noch mehr Kunden zurück“, sagt Frank Meier, Vorstandschef der Stadtwerke Kiel. Wie groß die Welle der Wechsler noch werde, sei gegenwärtig nicht absehbar. Die Stadtwerke hätten aber vorgesorgt, und sich mit ausreichend großen Strommengen eingedeckt.

Verdacht in der Branche: Anbieter nutzen Preisbremse aus

Unterdessen wächst auch in der Branche der Verdacht, dass schwarze Schafe unter den Energieversorgern versuchen, mit überzogenen Tarifen aus den Preisbremsen Profit zu schlagen. Beispiel Strom: Kommt die staatliche Hilfe wie geplant, würden Haushalte für 80 Prozent ihres Verbrauches maximal 40 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, die Differenz zum tatsächlichen Preis würde der Staat den Versorgern erstatten. Meier: „Ich will niemandem etwas unterstellen, aber die Vermutung liegt auf der Hand, dass so etwas probiert wird.“

Deutlich entspannt hat sich die Versorgungslage bei Gas. Gründe sind vor allem die vollen Speicher, die neuen Kapazitäten für die Anlandung von Flüssiggas, das milde Wetter und Erfolge beim Energiesparen.

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