Verträge werden geprüft

Scheinselbstständige bei der Provinzial?

Foto: In Kiel sind knapp 1000 Mitarbeiter bei der Provinzial Nordwest beschäftigt.

In Kiel sind knapp 1000 Mitarbeiter bei der Provinzial Nordwest beschäftigt.

Kiel/Münster. Zunächst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über den Verdacht berichtet. Die Gewerkschaft Verdi spricht von „einem handfesten Skandal“.

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Dem Bericht zufolge sind zum 1. Juli rund 30 Arbeitsplätze in der IT-Abteilung der Versicherung leer geblieben, weil die Provinzial Nordwest ausgelaufene Verträge nicht verlängert hatte. Die Informatiker sollen seit Jahren im Unternehmen gearbeitet haben.

Die Provinzial habe nun Sorge gehabt, durch ihre Beschäftigung das Gesetz gebrochen zu haben. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert aus einem internen Dokument, in dem die Versicherer „Rechtsrisiken im Bereich Steuer und Sozialversicherung“ befürchten.

Es geht um 29 externe IT-Berater

„Der Vorstand hat deshalb ein internes Projekt aufgesetzt, um schnellstmöglich gemeinsam mit den Finanz- und Sozialversicherungsbehörden insbesondere diese Fälle zu überprüfen“, sagt ein Provinzial-Sprecher unserer Zeitung. Insgesamt seien 200 externe Berater in der IT beschäftigt. Konkret gehe es um 29 Berater, deren Verträge jetzt mit den Behörden überprüft würden.

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Es drohen hohe Nachzahlungen

Bislang sind laut "Süddeutscher Zeitung" noch nicht alle Arbeitsverhältnisse mit Freiberuflern und Leiharbeitern durchleuchtet worden. Die Kontrolle von 143 Verträgen habe aber ergeben, dass über die Hälfte nicht in der jetzigen Form weiterlaufen könnten. In 29 Fällen handele es sich möglicherweise um Scheinselbstständigkeit. Der Provinzial könnten daher Nachzahlungen an Steuern und Sozialangaben in Millionenhöhe drohen.

Verdi fordert unverzügliche Aufklärung

Die Gewerkschaft Verdi reagierte entsetzt: „Sollte sich das bestätigen, ist es für ein Unternehmen, das mit einem öffentlichen Auftrag unterwegs ist, ein handfester Skandal und wir fordern den Vorstand auf, sofort und ohne Verzögerung die Umstände aufzuklären“, sagte Frank Fassin, Landesfachbereichsleiter für Finanzdienstleistungen in Nordrhein-Westfalen.

Es müsse nicht nur eine „vollständige Heilung des eingetretenen Schadens erfolgen“, forderte Frank Schischefsky vom Verdi-Landesbezirk Nord, sondern auch „eine Klärung der persönlichen Verantwortlichkeiten mit entsprechenden personellen Konsequenzen“.

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Provinzial befindet sich in Fusions-Gesprächen

Dem Versicherer dürfte der Vorfall alles andere als gelegen kommen. Die Provinzial Nordwest befindet sich in Gesprächen über eine Verschmelzung mit der rheinländischen Provinzial in Düsseldorf. Dabei soll die Atmosphäre ohnehin angespannt sein. 

In Kiel sind knapp 1000 Mitarbeiter bei der Provinzial Nordwest beschäftigt. Hier sind die Bereiche Lebensversicherung und die Provinzial Nord Brandkasse angesiedelt. Die schleswig-holsteinischen Sparkassen halten 18 Prozent der Anteile an der Provinzial, die Mehrheit liegt bei westfälischen Sparkassen und Kommunen.

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