„Quadratisch. Praktisch. Blut.“

Nicht nur Ritter Sport: Warum auch andere deutsche Unternehmen in Russland weiter Geschäfte machen

Nussschokolade der Marke Ritter-Sport-Schokolade ist zu sehen.

Nussschokolade der Marke Ritter-Sport-Schokolade ist zu sehen.

Wer in diesen Tagen Geschäfte mit Russland macht, muss mit einem Shitstorm in den Sozialen Medien rechnen. „Quadratisch. Praktisch. Blut.“, schrieb der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk bei Twitter in Anspielung auf den Werbeslogan von Ritter Sport.

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Das Unternehmen aus Baden-Württemberg verkauft weiter Schokolade in Russland und muss sich dafür viel Kritik anhören. „Tschüss Ritter Sport. Sie haben mich als Kunden verloren“, schreibt ein Nutzer auf der Facebook-Seite des Unternehmens, andere rufen zum Boykott auf.

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„Wir haben uns die Entscheidung, weiter Schokolade für den russischen Markt zu liefern, auch nicht leicht gemacht“, erklärt Ritter Sport auf RND-Nachfrage. Bei einem Stopp der Lieferungen nach Russland müsste jedoch die Produktion in Deutschland und Österreich deutlich heruntergefahren werden. „Davon betroffen wären letztlich auch die Kakaobauern in Westafrika, Mittel- und Südamerika.“ Ritter Sport spricht von „ernsthaften Auswirkungen“, die ein Schokoladenstopp für das mittelständische Unternehmen hätte. Auf etwa 10 Prozent beläuft sich der Umsatz von Ritter Sport nach eigenen Angaben in Russland, das sind zwischen 40 und 50 Millionen Euro.

Für Unternehmen ist die Entscheidung schwierig, ob sie sich aus Russland zurückziehen sollen oder nicht. Immer wieder argumentieren Firmen damit, dass sie die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizinprodukten sicherstellen wollen. „Wir sind mitverantwortlich für die Grundversorgung der Menschen und möchten ihnen weiterhin einen fairen und sicheren Zugang zu Lebensmitteln sicherstellen“, sagte Globus-Geschäftsführer Matthias Bruch dem RND. Der Konzern betreibt weiterhin zahlreiche Supermärkte in Russland mit etwa 10.000 Beschäftigten.

Ähnlich argumentiert der Düsseldorfer Konzern Henkel. Er verkauft auch jetzt Haushalts- und Hygieneprodukte in Russland, weil ein Stopp „weitreichende Konsequenzen“ habe, auch für die Beschäftigten vor Ort.

Auch der Dax-Konzern Fresenius liefert seine Medizinprodukte weiterhin nach Russland und hat sich gegen die Schließung seiner etwa 100 Dialysezentren entschieden. „Zu unserer Verantwortung als Gesundheitsunternehmen gehört es eben auch, unsere Patientinnen und Patienten in Russland nicht allein zu lassen, sondern weiter medizinisch zu versorgen.“ Es habe die „ethische Pflicht“, Patientinnen und Patienten weiter zu versorgen, begründet das Unternehmen auf RND-Nachfrage die Entscheidung. Siemens will zumindest Wartungen und Servicearbeiten weiter durchführen.

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Wenn Firmen in Russland Geschäfte machen, droht ihnen in westlichen Ländern ein Imageschaden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt mehrere französische Unternehmen kritisiert, die weiter in Russland produzieren. Das sorgte für eine große Debatte in Frankreich und kurz darauf erklärte der Autobauer Renault, seine Produktion in Russland einzustellen.

Viele große deutsche Unternehmen, die noch in Russland aktiv sind, haben dort zumindest neue Investitionen und ihre Werbung gestoppt. Das gilt auch für den Chemiekonzern BASF. Das Unternehmen sagte auf RND-Nachfrage, dass man die Produktion gar nicht kurzfristig einstellen könne. „Es ist einfach, in einer Burgerfiliale in Moskau das Licht abzudrehen. Bei hochkomplexen Chemieanlagen geht das nicht so leicht.“ Die Anlagen müssten weiter beaufsichtigt werden. BASF folge der Politik. „Das Ziel der Politik ist es nicht, die russische Zivilbevölkerung zu treffen“, so der Konzern. Experten sehen das skeptisch, denn Sanktionen sollen das ganze Land treffen und so den Druck auf Putin erhöhen.

Einige Konzerne begründen ihre Geschäfte auch mit der besonderen Bedeutung Russlands und der Ukraine für die weltweite Ernährung. Beide Länder gelten als die „Kornkammer der Welt“, Russlands Weizenexporte machen einen Anteil von 18 Prozent am Weltmarkt aus. Viele Unternehmen aus der Düngemittel- und Agrarbranche lehnen ein Stopp des Russland-Geschäfts daher ab. „Hungersnöte, politische Instabilität und weitere Flüchtlingsströme sind mögliche Folgen“, heißt es von BASF.

Der Bayer-Konzern argumentierte ähnlich: Landwirtschaftsprodukte wie Saatgut vorzuenthalten, „würde die Zahl an Menschenleben, die dieser Krieg fordert, nur vervielfachen“. Ohnehin seien die Produkte für die Anbausaison 2022 bereits ausgeliefert. „Eine Belieferung für die Saison 2023 ist von einem Frieden in der Ukraine abhängig.“

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