Branchenkrise

Windindustrie baut 26.000 Jobs ab

Während bei den Anlagenherstellern der Personalstamm häufig verkleinert wurde, nimmt die Zahl der Beschäftigten in Wartung und Service zu.

Während bei den Anlagenherstellern der Personalstamm häufig verkleinert wurde, nimmt die Zahl der Beschäftigten in Wartung und Service zu.

Kiel/Berlin. Niedriger lag die Zahl der Beschäftigten zuletzt vor fünf Jahren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor.

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„Die Zahlen sind bestürzend“, sagt der schleswig-holsteinische Abgeordnete Lorenz Gösta Beutin. „In nur einem Jahr sind insgesamt 26.000 Arbeitsplätze abgebaut worden und damit mehr als insgesamt in der Braunkohle beschäftigt sind.“ Allein in Schleswig-Holstein arbeiten rund 12.000 Menschen in der Windindustrie.

Zahl der Beschäftigten in Wartung und Service nimmt zu

"Der Arbeitsmarkt entwickelt sich in zwei Richtungen. Im Bereich Service und Wartung nimmt die Zahl der Beschäftigten zu. Das ist ein Hoffnungsschimmer für die Branche", sagt Christoph Zipf vom Bundesverband Windenergie (BWE). "Zugleich sorgen eine schlechte Auftragslage und die wenigen Zubauten bei den Herstellern für Probleme."

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Die Zahl der Wartungsmitarbeiter stieg laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung innerhalb eines Jahres von 33000 auf 36400, die Entwicklung könne aber den Rückgang im Neuanlagenbau nur abfedern.

Zwischen 2016 und 2017 gingen die Arbeitsplätze im Bereich Wind an Land insgesamt um 16 Prozent auf 112100 Stellen zurück. Auf See wurden 4300 Jobs abgebaut. Für das vergangene Jahr liegt noch keine Statistik vor.

Trend geht weiter nach unten

In Anbetracht der Situation vieler Windanlagenbauer sei aber davon auszugehen, dass der Abwärtstrend weitergehe, so Zipf. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet sogar: „Wenn Politik und Unternehmen nicht schnell gegensteuern, wird es die Windindustrie mit einer funktionierenden Wertschöpfungskette bald nicht mehr geben“, sagt Sprecher Heiko Messerschmidt.

Für die Schlüsselbranche der Energiewende sind die Zeiten alles andere als rosig. Der Windkraftausbau in Deutschland läuft schleppend, nur 86 neue Anlagen an Land entstanden im ersten Halbjahr. Die Gewinne bei Branchenriesen wie Siemens Gamesa sinken trotz Auftragsflut. Die Nordex-Aktie befindet sich auf Talfahrt. Der insolvente Anlagenbauer Senvion kämpft ums Überleben und tausende Arbeitsplätze stehen auf der Kippe.

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Zickzackkurs der Politik wirkt sich negativ aus

Grund für den Einbruch des Marktes sei die Deckelung des Ausbaus und die Einführung eines radikalen Preismodells, so Messerschmidt. Viele Unternehmen hätten sich für Entlassungen entschieden, statt Kurzarbeit oder Qualifizierungen einzuführen. Für das ständige Hin und Her bei den Rahmenbedingungen trage die Bundesregierung Verantwortung.

Beutin: Bundesregierung hat versagt

Beutin spricht gar von einem beispiellosen Versagen der Regierung. Während der dramatische Stellenabbau in einer Zukunftsbranche stillschweigend hingenommen werde, sichere der Bund der Braunkohleindustrie gleichzeitig Strukturgelder zu. „Die Beschäftigten in der Windindustrie sind offenbar der Bundesregierung nicht so wichtig“, so Beutin. Dabei sei es Aufgabe der Großen Koalition, die Abwärtsentwicklung „sofort zu stoppen“ und gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat gerade einen Krisengipfel für nach der Sommerpause angekündigt. Die Branche hofft, dass er für schnellere Genehmigungsverfahren sorgt. Einen entsprechenden Aktionsplan hat der BWE schon ausgearbeitet.

Unternehmen haben sich zu spät an Markt angepasst

Für Messerschmidt trifft aber die Politik nicht die alleinige Schuld für die Branchenkrise. Die Förderkultur habe dazu geführt, dass manche Unternehmen sich nicht oder zu spät für Marktveränderungen aufgestellt hätten. Wer sich nur auf den Heimatmarkt fokussiert habe, leide nun darunter, analysiert auch Zipf. „Viele haben sich lange darauf verlassen, dass sich im deutschen Markt gutes Geld verdienen lässt. Den Einbruch konnten diejenigen besser auffangen, die sich schon früh internationalisiert haben.“

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