Vom Aussterben bedrohte Tiere

Popelnde Primaten: Fingertier erstmals beim Nasebohren gefilmt

Dieses Fingertier nutzt seinen acht Zentimeter langen Mittelfinger auch zum Popeln.

Dieses Fingertier nutzt seinen acht Zentimeter langen Mittelfinger auch zum Popeln.

In der Nase zu bohren ist bei Menschen ein sehr unerwünschtes Verhalten. Wir sind aber nicht die einzigen Primaten, die diese vermeintliche schlechte Angewohnheit haben: Orang-Utans, Kapuzineraffen, Schimpansen – mindestens ein Dutzend Tiere wurden schon dabei beobachtet. Zum Club der popelnden Primaten zählt neuerdings auch die auf Madagaskar heimischen Fingertiere, auch Aye-Ayes genannt. Forscherin Anne-Claire Fabre, Kuratorin von Säugetieren beim Naturhistorischen Museum in Bern und wissenschaftliche Partnerin des Natural History Museums in London, hat erstmals gefilmt, wie eines der nachtaktiven Tiere in der Nase bohrt.

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Praktischer Mittelfinger: Aye-Ayes nutzen ihn für die Nahrungssuche

Aye-Ayes haben dafür ein praktisches Hilfsmittel: Die Evolution hat ihnen einen langen, dünnen Mittelfinger beschert, der beim gefilmten Tier ganze acht Zentimeter lang ist, wie die am Donnerstag vom Natural History Museum veröffentlichten Videos und Bilder zeigen. Gar nicht übel für ein Tier mit einer Körperlänge von bis zu 44 Zentimetern. Normalerweise nutzen sie den Mittelfinger, um rhythmisch Holz abzuklopfen. Die Allesfresser können so mit Hilfe des akustischen Nachhalls ihre Beute – darunter Bockkäferlarven – orten und sie mit ihrem Finger rausfischen.

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Mit ihrem langen Mittelfinger können die Fingertiere aber auch sehr tief in die Nase eindringen. Ein CT-Scan des Aye-Ayes zeigt, wie das Tier damit seinen Hals erreicht. Dort sammelt es Schleim, den das Aye-Aye anschließend von seinem Finger ableckt.

Aye-Ayes sammeln beim Popeln Schleim im Hals, den sie anschließend von ihrem langen Mittelfinger ablecken.

Aye-Ayes sammeln beim Popeln Schleim im Hals, den sie anschließend von ihrem langen Mittelfinger ablecken.

Studien: Popeln könnte Immunsystem und Mundhygiene verbessern

Fabre, die das Tier im Duke Lemur Center in North Carolina beim Nasebohren erwischt hat, ist sich sicher: Das ist mehr als nur ein einmaliges Verhalten. Warum Aye-Ayes und auch manche andere Primaten popeln, ist aber noch unklar. „Fast alle Arbeiten hierzu wurden aus Spaß verfasst. Von den ernstgemeinten Studien gibt es einige im Forschungsfeld der Psychologie, aber für die Biologe gibt es kaum welche“, sagte sie in einer Mitteilung. Dabei legten einige Studien bereits nahe, dass das Popeln – genauer gesagt die Aufnahme des Schleims – eine wichtige Rolle für das Immunsystem spielen könnte und zudem verhindert, dass sich Bakterien an Zähnen ansammeln.

Fingertiere vom Aussterben bedroht: „Sie brauchen wirklich unsere Hilfe“

Abgesehen von diesem möglicherweise positiven Nutzen ist der Mittelfinger der Aye-Ayes Fluch und Segen zugleich. Laut einer Folklore haben die Fingertiere den unverdienten Ruf, Todesboten zu sein. Wenn sie der Legende zufolge mit ihrem langen Mittelfinger auf einen Menschen zeigen, bescheren sie diesem den Tod. Das ist natürlich nur ein Märchen, aber aus diesem Grund wurden sie oftmals getötet, sobald sie gesichtet wurden. Ihr Lebensraum ist zudem im Zuge der Abholzung des Waldes wegen der vermehrten Zuckerrohr- und Kokosnussplantagen auf Madagaskar gefährdet.

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„Aye-Ayes sind stark vom Aussterben bedroht, sie brauchen wirklich unsere Hilfe“, betont Fabre. Sie hoffe, dass Forschungen wie ihre ein Bewusstsein für die Tiere schaffen könnten und zeigten, wie wenig wir über sie wüssten.

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