„Erst der Anfang"

Klimaforscher Latif: 1,5-Grad-Ziel nicht mehr erreichbar – auf dem Weg zur drei Grad Erderwärmung

Mojib Latif, Klimaforscher und Meteorologe, spricht auf einer Pressekonferenz zum 10. Extremwetterkongress.

Mojib Latif, Klimaforscher und Meteorologe, spricht auf einer Pressekonferenz zum 10. Extremwetterkongress.

Hannover. Der Klimaforscher Mojib Latif geht davon aus, dass das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klima­abkommens nicht mehr zu erreichen ist. „Wir betreiben also nur noch Schadens­begrenzung. Wir können es vielleicht noch schaffen, dass die globale Durch­schnitts­temperatur um rund zwei Grad steigt“, sagt er im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Derzeit seien wir jedoch sogar auf dem Weg in eine um drei Grad erwärmte Welt, sagt er. Der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen sei seit 1990 um 60 Prozent gewachsen.

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„Man muss also ganz ehrlich sagen: Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach“, sagt der Klimaforscher. Denn schon jetzt sterben Menschen durch Hitze oder Überschwemmungen. Und das sei erst der Anfang. Die derzeitige Hitze in Deutschland und Europa zeige: „Wir stecken mittendrin im Klimawandel.“ Und dieser werde sich nun immer dramatischer zeigen. Wann und wo es zu welchen Extremwetterlagen kommen könnte, könne jedoch nicht genau vorhergesagt werden. Das sei lediglich Spekulation, sagt Latif.

Deutschland spart ein – dem Klima aber egal

Inwiefern die Auswirkungen des Klimawandels noch begrenzt werden können, hänge von unserem Verhalten ab, beispielsweise daran, wie viel Treibhausgase weiterhin ausgestoßen werden. In Deutschland habe sich der CO₂‑Ausstoß seit den 90er-Jahren immerhin um fast 40 Prozent reduziert. Das gebe Latif zwar Hoffnung und zeige, dass Wohlstand und Klimaschutz keine Gegensätze seien. Doch was in Deutschland passiere, sei dem Klima egal, sagt er. „Da zählt nur die globale Bilanz.“

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Seit 30 Jahren gebe es zwar die Weltklimakonferenzen und „schöne Worte“. Doch die Zahlen zeigten bislang eine andere Wirklichkeit. „Wir leben in einer Welt, in der sich Länder bekämpfen, statt zu kooperieren“, sagt Latif. Und Präsidenten wie Putin, Xi Jinping oder Bolsonaro interessierten sich bisher eher weniger für die Umwelt. Dabei seien gerade autokratische Systeme die großen Verursacher von CO₂, sagt er.

18.07.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Zwei Frauen schützen am Rheinufer in der Altstadt mit einem Regenschirm vor der Sonne. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Klimaforscher Mojib Latif: „Das ist erst der Anfang“

Die Hitze dieser Tage zeige, dass wir mitten im Klimawandel stecken, sagt der Klimaforscher Mojib Latif im RND-Gespräch. Trotzdem glaubten manche immer noch, dass es vielleicht gar nicht so schlimm kommt. Unser Leben werde sich aber dramatisch verschlechtern – denn das 1,5‑Grad-Ziel sei verspielt. Wieso geht die Welt immer noch in die falsche Richtung?

Gerechter und profitabler Klimaschutz

Klimaforscher Latif sieht Gerechtigkeit als einen wichtigen Hebel gegen den Klimawandel an. „Wegweisend ist da beispielsweise das Urteil des Bundes­verfassungs­gerichts, dass man nicht alles den nachfolgenden Generationen aufbürden kann, weil man sonst die Freiheitsrechte der Jüngeren einschränken würde.“ Außerdem sollten die Menschen künftig im Alltag mehr spüren, dass sie selbst vom Klimaschutz profitierten. „Damit also ein Pendler vom Auto auf den Zug wechselt, muss der pünktlich sein, günstig, mit gutem Internet.“

RND/mr

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