Neue Studie aus Großbritannien

Kompostexperiment: Abbaubare Kunststoffe werden oft nicht zersetzt

Ein Stück „kompostierbares Plastik", das nicht kompostiert ist.


ACHTUNG: Frei nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie bei Nennung des Credits. Foto: Citizen scientist image from www.bigcompostexperiment.org.uk

Ein Stück „kompostierbares Plastik", das nicht kompostiert ist. ACHTUNG: Frei nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie bei Nennung des Credits. Foto: Citizen scientist image from www.bigcompostexperiment.org.uk

London. Ein Großteil der als „heimkompostierbar“ gekennzeichneten biologisch abbaubaren Kunststoffe wird im Kompost nicht vollständig zersetzt. Reste des Plastiks gelangen aus diesem Grund mit dem Kompost in den Boden, berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom University College London nach einer Untersuchung mit Tausenden Verbraucherinnen und Verbrauchern in Großbritannien. Die im Fachmagazin „Frontiers in Sustainability“ veröffentlichte Studie zeigt weiter, dass viele Produkte unzureichend und missverständlich gekennzeichnet sind und dies zu einer fehlerhaften Entsorgung von biologisch abbaubaren Kunststoffen führt.

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Die weltweite Verschmutzung durch Plastik ist eine der größten ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Einem OECD-Bericht zufolge werden weltweit nur 9 Prozent des anfallenden Plastiks recycelt. Die Hälfte lande in Mülldeponien, 19 Prozent würden verbrannt, und 22 Prozent entgingen jeglicher Form der Abfallbeseitigung – sie gelangen also etwa in die Natur oder auf unkontrollierte Müllkippen. Als Reaktion auf die Plastikmüllkrise bemühen sich viele Länder, unnötiges Einwegplastik zu verbieten oder Kunststoffverpackungen recycelbar, wiederverwendbar oder kompostierbar zu machen. Der Anteil von Bioplastik am insgesamt hergestellten Plastik beträgt den Forschenden zufolge derzeit etwa ein Prozent.

Was ist kompostierbarer Kunststoff?

Kompostierbare Kunststoffe sind Materialien, die in einer Kompostieranlage biologisch so schnell abgebaut werden können wie andere bekannte kompostierbare Materialien und dabei weder sichtbare noch giftige Rückstände hinterlassen. Die Entwicklung von kompostierbaren Kunststoffen ist theoretisch unter anderem deshalb nützlich, da manche Produkte zu klein oder zu stark verschmutzt sind, als dass sie mit herkömmlichen Plastikabfällen recycelt oder wiederverwendet werden könnten.

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Neben den biologisch abbaubaren Kunststoffen, die nur industriell in speziellen Anlagen kompostiert werden können, gibt es solche, die sich laut Herstellerangaben auch im heimischen Kompost zersetzen. Um zu prüfen, inwieweit das tatsächlich möglich ist, entwickelte das Forschungsteam um Danielle Purkiss ein umfassendes Citizen-Science-Projekt: das große Kompostexperiment. Über einen Zeitraum von zwei Jahren sammelten die Forschenden Daten von Bürgerinnen und Bürgern zur Entsorgung abbaubarer Kunststoffe.

Menschen verstehen Kennzeichnungen falsch

In einer Onlineumfrage verkündeten rund 9700 Teilnehmende ihre Meinung und ihr Verhalten zum Thema „kompostierbare Kunststoffe“. 85 Prozent der Teilnehmenden sagten aus, dass sie eher Produkte kaufen würden, deren Verpackung als „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ gekennzeichnet ist. Zudem gaben 84 Prozent an, Abfälle zu Hause zu kompostieren. Diese Motivation zur Heimkompostierung liegt den Forschenden zufolge weit über dem Durchschnitt von 34 Prozent der britischen Bevölkerung.

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Im nächsten Schritt des Projekts erklärten sich 1648 der Teilnehmenden dazu bereit, kompostierbare Plastikabfälle bei sich zu Hause zu kompostieren. Anhand von Fotos stellten die Wissenschaftler fest, dass viele Teilnehmende Probleme mit der Kennzeichnung und der Identifizierung der Kunststoffabfälle hatten. Eine Stichprobe von 50 Abbildungen zeigte: 46 Prozent der Kunststoffe waren nicht als „heimkompostierbar“ und weitere 14 Prozent waren als „industriell kompostierbar“ gekennzeichnet. „Das zeigt, dass es aktuell an einer klaren Kennzeichnung mangelt, um sicherzustellen, dass die Öffentlichkeit kompostierbare Kunststoffe korrekt entsorgen kann“, wird Erstautorin Danielle Purkiss in einer Pressemitteilung ihrer Universität zitiert.

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Von Wegen „heimkompostierbar“

Ein noch erstaunlicheres Ergebnis ist jedoch, dass 60 Prozent der als „heimkompostierbar“ gekennzeichneten Kunststoffe in den häuslichen Komposttonnen nicht vollständig zersetzt wurden. „Anscheinend können kompostierbare Verpackungen – selbst die als ‚heimkompostierbar‘ zertifizierten – unter den Bedingungen der Heimkompostierung in Großbritannien nicht richtig abgebaut werden“, wird Purkiss zitiert. „Das führt dazu, dass das Plastik in die Erde gelangt und sie verunreinigt.“

Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge erweist sich die unkontrollierte Heimkompostierung als ineffizient. Ihrer Ansicht nach wäre es besser, kompostierbare Kunststoffe an industrielle Abfallanlagen zu schicken, wo die Kompostierung unter kontrollierten, biotechnologischen Bedingungen stattfindet.

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Unnötiger Abfall

Viele Expertinnen und Experten bezweifeln grundsätzlich, dass biologisch abbaubare Kunststoffe einen wesentlichen Nutzen haben. So schreibt das Umweltbundesamt (UBA), dass etwa biologisch abbaubare Verpackungen keine Vorteile im Vergleich zu Verpackungen aus konventionellen oder biobasierten Kunststoffen haben. Sinnvoller sei die mehrfache Nutzung oder Verwertung von stabilem und beständigem Material. Auch biologisch abbaubare Einwegprodukte brächten keine Vorteile: „Einwegprodukte sind kurzlebig und erzeugen – im Gegensatz zu wiederverwendbaren Produkten – unnötige Abfälle, egal ob biologisch abbaubar oder nicht.“

Entsprechende Produkte dürfen laut UBA nicht in der Biotonne entsorgt werden, sondern gehörten in die gelbe Tonne. Auch Sammelbeutel für Bioabfälle, die als biologisch abbaubar gekennzeichnet sind, dürften nur mit entsprechender Zertifizierung und nur dann in den Biomüll, wenn die örtlichen Entsorger das genehmigten.

RND/dpa

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