Aktivistin über Klimaangst: „Als ich jünger war, wollte ich immer Kinder haben“

Auch ein Symbol des Klimawandels: Waldbrände in Kalifornien.

Auch ein Symbol des Klimawandels: Waldbrände in Kalifornien.

In „Klima ist für alle da” berichten 60 Jugendliche von ihrem Kampf gegen den Klimawandel. Eine von ihnen ist die Hamburgerin Raina Ivanova. Sie hat 2019 gemeinsam mit Greta Thunberg und 14 weiteren Jugendlichen eine Beschwerde beim UN-Kinderrechtsausschuss eingereicht, weil die Kinderrechte durch die Folgen des Klimawandels verletzt seien. Im Interview mit dem RND spricht die Schülerin über Klimaaktivismus und den Klimawandel als Generationenkonflikt.

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Frau Ivanova, Ihren Text für „Klima ist für alle da“ haben Sie in Ihrer Anfangszeit als Klimaaktivistin geschrieben. Hat sich Ihre Sicht auf die Klimaproblematik in den vergangenen Jahren geändert?

Ja, damals war ich noch relativ frisch im Klimaaktivismus. Je länger man dabei ist, desto mehr Erfahrungen sammelt man natürlich – und oft sind das im Klimaaktivismus frustrierende Erfahrungen. Ich denke aber, ich war damals in einer gewissen Hinsicht radikaler, als ich es heute bin. Nicht in dem Sinne, dass ich irgendwo hingegangen wäre und Sachen kaputt gemacht hätte. Aber ich hab die Probleme des Klimawandels auf eine aufdringlichere Weise kommuniziert. Inzwischen habe ich gelernt, dass wenn man andere erreichen möchte, die Art, auf die man sie anspricht, sehr wichtig ist.

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Zum Beispiel?

Fleisch essen ist ein gutes Beispiel. Früher hätte ich zum Beispiel gesagt: Wenn du Fleisch isst, dann trägst du so und so viel zum Klimawandel bei. Nach dem Motto: Du bist ein schrecklicher Mensch. Heute ist es vielleicht eher so, dass ich ein vegetarisches oder veganes Gericht vorstelle und darüber spreche, wie viel weniger CO₂ dabei entsteht, wie viel mehr Nährstoffe es hat und warum es als Ausgleich zum Fleisch auch sehr gut schmeckt.

Raina Ivanova ist Klimaaktivistin aus Hamburg.

Raina Ivanova ist Klimaaktivistin aus Hamburg.

Wenn man zu emotional kommuniziert, erreicht man die Menschen nicht?

Es kommt immer auf die Person an. Aber ich hatte das Gefühl, gerade weil ich damals noch so jung war, ist es dann so rübergekommen, als sei ich eine super-emotionale 15-Jährige, die da mal was vom Klimawandel gehört hat und jetzt alle überzeugen will. Ich will nicht sagen, dass ich das Thema inzwischen distanzierter betrachte, weil das nicht stimmt und mich das noch immer emotional macht – aber ich habe gelernt, mich gewählter auszudrücken.

Wenn ich nur die ganze Zeit traurig in meinem Bett liege und mir vorstelle, welche Horrorszenarien eintreten könnten, dann bringt das ja auch nichts.

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Aber der Klimawandel und seine Folgen machen Ihnen trotzdem noch Angst, wenn Sie an die Zukunft denken?

Das macht mir auf jeden Fall Angst. Ziemlich große sogar. Ich mache nächstes Jahr meinen Abschluss und möchte dann eine Uni besuchen, die vielleicht auch ein bisschen weiter weg von zu Hause ist. Wenn man sich dann die Szenarien für verschiedene Orte anschaut, dann sieht man: Hier steigt der Meeresspiegel, dort soll es viele stärkere Stürme geben …, dann finde ich das persönlich unerträglich. Ich werde dann zwar schon sehr alt oder vielleicht sogar schon tot sein, aber wenn man sich entscheiden sollte, Kinder zu haben, dann würden die das ja miterleben. Das macht mir Angst.

Wie gehen Sie mit dieser Angst um – ohne sich davon demotivieren zu lassen?

Das ist das schöne an Gruppen wie Fridays for Future: Wenn man seine Sorgen gemeinsam teilt, dann sorgt man sich selbst einen Ticken weniger. Im Lockdown war das natürlich schwieriger, weil der physische Zusammenhalt fehlte und auch der Lockdown selbst nicht einfach war. Aber wenn ich nur die ganze Zeit traurig in meinem Bett liege und mir vorstelle, welche Horrorszenarien eintreten könnten, dann bringt das ja auch nichts. Ich muss mich darauf einstellen, was noch möglich ist, und deswegen alles, was ich geben kann, da reinstecken.

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Kann Klimaaktivismus denn in der Pandemie funktionieren?

In Zeiten von Corona ist das natürlich deutlich schwieriger. Da können wir Klimaschützer nur bedingt zusammenkommen und für etwas protestieren, das uns wichtig ist. Das große Problem ist: Es ist nicht weniger passiert – ich war ungefähr gleich viel engagiert –, aber es erreicht weniger Menschen.

Sie haben 2019 unter anderem gemeinsam mit Greta Thunberg eine Beschwerde beim UN-Kinderrechtsausschuss eingereicht. Was ist daraus geworden?

Die Beschwerde läuft momentan noch. Derzeit muss noch über ihre Zulässigkeit entschieden werden. Dazu hatten wir im Mai ein virtuelles Treffen mit dem Ausschuss, den Kindern, die die Beschwerde erhoben haben und den Anwälten, die sie vertreten. Ich habe das Treffen sehr positiv gedeutet und wenn ich mir die Argumente gegen die Beschwerde anhöre, die unter anderem von Deutschland kommen, dann denke ich, dass wir da auf einer sehr guten Seite stehen. Der Kinderrechtsausschuss hat ja auch schon ein „General Comment“ zum Recht von Kindern auf eine unversehrte Umwelt angekündigt. Die Frage ist nur, ob das alles schnell genug passiert.

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Haben Sie das Gefühl, beim Thema Klima handelt es sich um einen Generationenkonflikt?

Zu einem gewissen Teil ist es ein Generationenkonflikt, ja. Aber eigentlich ist es viel mehr ein Geldkonflikt. Denn das grundlegende Problem ist meiner Meinung nach, dass sehr wenige Leute, die sehr viel Geld haben, Profite auf Kosten von anderen Menschen und zulasten der Natur und Umwelt machen. Diese Menschen gehören meistens zu älteren Generationen. Aber man muss auch sagen, dass es auch ältere Menschen gibt, die sich für den Klimaschutz engagieren. Wenn ich zu Fridays for Future gehe, dann sind da zum Beispiel auch die „Omas for Future“. Das finde ich super cool. Denn der Klimawandel ist nicht nur ein Problem, das den jüngeren Menschen gehört. Wir müssen alle mit anpacken.

Akshat Rathi (Hrsg.): Klima ist für alle da. Wie 60 junge Menschen uns dazu inspirieren, die Welt zu retten. Blanvalet Verlag, 320 Seiten.

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