Grüne Woche und der Klimaschutz

Was bringt es, wenn wir anders essen?

Obst und Gemüse liegt vor der Eröffnung der Grünen Woche in Holzsteigen an einem Stand auf dem Messegelände.

Obst und Gemüse liegt vor der Eröffnung der Grünen Woche in Holzsteigen an einem Stand auf dem Messegelände.

Hannover. Auf dem Messegelände in Berlin ist die Grüne Woche gestartet – nach zwei Jahren Corona-Pause und mit 1400 Ausstellern aus rund 60 Ländern. Traditionell zeigt hier die Ernährungsindustrie die heißesten kulinarischen Trends, Spezialitäten aus allen möglichen Ländern und die neuesten Entwicklungen in der Agrarindustrie. Insbesondere dieser Tage ist in Berlin aber noch etwas anderes Thema: die Auswirkungen unserer Ernährung auf das Klima.

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Gleich mehrere Aussteller machen genau das zum Thema, darunter etwa die Kette Rewe. Die zeigt in Berlin, was man als Supermarkt so tut, um den Klimawandel noch irgendwie aufzuhalten. Das seien etwa umweltfreundliche Lastenräder für Lieferanten, „grüne Supermärkte“ und ein neu vorgestellter Einkaufsbus für Bürgerinnen und Bürger ländlicher Gebiete, der den Individualverkehr minimieren und Emissionen einsparen soll.

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Die Katholische Landvolkbewegung informiert über Windkraftanlagen, am Stand des Landwirtschaftsministeriums erfahren Besucherinnen und Besucher, wie mit Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft gefördert werden kann.

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Zwei Dritte wollen sich umweltbewusster ernähren

Nahezu alle Reden zum Start der Messe, etwa von Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) widmeten sich auch dem Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Das Bündnis „Wir haben es satt“ demonstrierte am Samstag anlässlich der Messe für eine Agrarwende mit artgerechter Tierhaltung und konsequentem Klimaschutz.

Doch nicht nur in der Ernährungsbrache ist der Klimawandel Thema – auch am privaten Küchentisch werden diesbezüglich längst Entscheidungen gefällt. Mehrere Umfragen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher umweltbewusster ernähren wollen. Laut einer Umfrage des Verbraucherverbands BEUC sind sogar zwei Drittel der Europäer bereit, ihre Ernährung für den Klima- und Umweltschutz umzustellen.

Stellt sich nur die Frage: Welchen Einfluss hat unsere Ernährung und die dazugehörige Landwirtschaft denn überhaupt auf den Klimawandel? Welche Rolle spielen dabei Individualentscheidungen am Küchentisch? Und ließe sich mit verändertem Konsumverhalten das Blatt noch mal wenden?

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Treibhausgase und Flächennutzung

Eines jedenfalls steht fest: Der Anteil es tagtäglichen Lebensmittelkonsums an den Treibhausgasen ist ziemlich hoch. In Deutschland sind das 145 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr, die durch die Ernährung in die Luft gehen, wie das Bundesumweltministerium erklärt. Zum Vergleich: Die Emissionen durch den Verkehr liegen bei knapp 171 Millionen Tonnen.

Insgesamt liegt der Anteil der Ernährung an den gesamten Treibhausgasen laut Ministerium pro Kopf bei 15 Prozent. Nur die Bereiche Verkehr (18 Prozent) und Konsum (38 Prozent) liegen höher.

Neben den Treibhausgasen kommen noch weitere umweltschädliche Faktoren hinzu – etwa die Flächennutzung. Allein in Deutschland wird die Hälfte der Fläche landwirtschaftlich genutzt – gefährdet werden damit viele Tier- und Pflanzenarten. Mitunter begünstigt die intensive Landwirtschaft das Insektensterben.

Viele Lebensmittel sind Klimakiller

Klar ist aber auch: Ernährung ist nicht gleich Ernährung. Während einige Lebensmittel und ihre Produktionsweise geradezu als Klimakiller bezeichnet werden dürften, können andere wiederum ganz ohne schlechtes Gewissen konsumiert werden.

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Ganz oben bei den kulinarischen Klimasündern stehen die tierischen Produkte. Die Produktion eines Kilos Rindfleisch etwa verursacht rund 14 Kilogramm Kohlendioxid (CO2). Zum Vergleich: Bei Gemüse, etwa Bohnen, sind es bei selber Menge nur 150 Gramm, bei Obst etwa 500 Gramm CO₂.

Die Fleischproduktion sorgt noch für allerhand weitere Treibhausgase. Die Produktion insbesondere von Rindfleisch und Lammfleisch erzeugt große Mengen Methan und Lachgas. Mit der Massentierhaltung geht zudem die Schaffung von Ackerflächen einher – häufig zu Lasten von ausgewogenen Ökosystemen und Wäldern. Und nicht zuletzt sorgt die Massentierhaltung auch für einen enormen Wasser- und Energieverbrauch, insbesondere für die Fütterung der Tiere.

Butter noch schlimmer als Fleisch

Insbesondere, wer täglich Fleisch isst, schadet nicht nur seiner eigenen Gesundheit – sondern auch dem Klima. Laut der Food and Agriculture Organization (FAO) trägt die Landwirtschaft, insbesondere die Nutztierhaltung, zu satten 14,5% der globalen Treibhausgasemissionen bei.

Andere tierische Produkte sind da nicht viel besser. Käse ist bei der Klimafreundlichkeit ein Sorgenkind – Emissionen entstehen insbesondere durch die Produktion von Milch und die anschließende Verarbeitung zum Käse.

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Noch schlimmer ist Butter: Um ein Kilogramm Butter herzustellen, werden 18 Liter Kuhmilch benötigt. Während das Tier jede Menge Methan ausstößt, fallen für den Weitertransport und die Verarbeitung große Mengen CO₂ an. Insgesamt werden pro Kilogramm Butter etwa 24 Kilogramm CO₂-Äquivalente ausgestoßen.

„Genug ist genug“: Greta Thunberg und Luisa Neubauer protestieren in Davos

Die Klimaaktivisten rund um die schwedische Initiatorin von Fridays for Future hoffen, dass ihre Stimme auch auf dem Weltwirtschaftsforum gehört wird.

Gemüse ist nicht grundsätzlich klimafreundlich

Doch auch Gemüse und Obst sind nicht immer eine klimafreundliche Alternative. Das gilt insbesondere für solche Sorten, die zunächst über den halben Erdball befördert werden müssen, bevor man sie konsumieren kann. So haben etwa Avocados eine vergleichsweise schlechte CO₂-Bilanz – zudem braucht die Pflanze bei ihrer Produktion viel Wasser. Auch exotische Früchte wie Ananas, Mangos und Papayas haben einen höheren ökologischen Fußabdruck als regionales Obst.

Noch Klimaschädlicher allerdings ist Reis: Die Überflutung von Reisfeldern erzeugt große Mengen an Methan – laut der Food and Agriculture Organization (FAO) trägt die Reisproduktion sogar zu 1,5% der globalen Treibhausgasemissionen bei.

Häufig vergessen werden bei der Klimabilanz die Getränke: Einen hohen CO₂-Fußabdruck hat etwa Limonade, da die Zutaten lange Transportwege zurücklegen müssen – gleiches gilt für die Bohnen des Kaffees. Auch die Bierproduktion erfordert große Mengen an Wasser und Energie, insbesondere für die Getreideanbau und die Verarbeitung. Der Weinbau hat großen Einfluss auf die Umwelt, insbesondere wegen der Verwendung von Pestiziden und Düngemittel und seines hohen Wasserverbrauchs.

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Regional sollte es sein

Wer weniger klimaschädlich speisen möchte, liegt mit pflanzlichen Lebensmitteln grundsätzlich aber richtig. Obst, Gemüse und Vollkornprodukte haben tendenziell niedrigere Treibhausgasemissionen und einen niedrigeren Wasserverbrauch als Fleisch und Milchprodukte.

Noch klimafreundlicher wird‘s, wenn die Produkte regional angebaut werden: Als Lebensmittel mit einer guten CO₂-Bilanz gelten etwa Kartoffeln und Hülsenfrüchte, Karotten, Kohl, Rote Bete, regionale Pilze und andere heimische und saisonale Gemüsesorten. Beim Obst ist die beste Wahl immer Saisonware, die keinen Flug zurücklegen muss.

Auch tierische Produkte können unter Umständen klimafreundlich sein. Das gilt etwa für Wild aus der Region, in Maßen aber auch regionales Huhn und Lamm. Im Gegensatz zum Käse gelten bei Milchprodukten milchsauer vergorene Produkte wie Joghurt, Quark, Skyr, Buttermilch oder Kefir als vergleichsweise klimafreundlich. Beim Fisch eignen sich etwa Forelle, Hering und Karpfen.

Als Geheimtipp bei der klimafreundlichen Ernährung gilt die mediterrane Küche mit Olivenöl statt tierischen Fetten, dazu viel Gemüse. Sie schneidet in Punkto Klimabilanz fast so gut ab wie eine rein vegetarische Küche.

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Welche Auswirkungen hat unser Essverhalten?

Doch welche Auswirkungen hätte die Entscheidung zu einer klimafreundlicheren Ernährung konkret auf den Klimaschutz? Gleich mehrere Studien haben in den vergangenen Jahren versucht, das herauszufinden.

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Michael Eisen, Professor für Genetik und Entwicklung an der University of California und der Biochemiker Patrick Brown von der Stanford University haben mit Modellierungen und Computersimulationen verschiedene Szenarien durchgespielt, was passieren würde, wenn die gesamte Menschheit innerhalb der nächsten 15 Jahre auf eine klimafreundliche Ernährung ohne Fleisch umsteigen würde.

Das Ergebnis: Ein schneller weltweiter Ausstieg aus der Tierhaltung würde die Treibhausgase für 30 Jahre stabilisieren und 68 % der CO₂-Emissionen ausgleichen. Bereits bis 2050, also in relativ kurzer Zeit, würden sich positive Effekte zeigen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass vorhandene Treibhausgase zerfallen und abnehmen, wenn keine neuen aus der landwirtschaftlichen Viehhaltung hinzukommen. Ein weiterer positiver Effekt wäre die anderweitige Nutzung von Ackerland, mit der der momentane CO₂-Emissionswert reduziert werden könnte.

Brown ist zugleich Gründer der Firma „Impossible Foods“, die pflanzliche Fleisch- und Milchersatzprodukte entwickelt. Doch auch andere Forschungen kommen zu diesen Ergebnissen.

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Fleischlose Ernährung fürs Klima

Eine Auswertung der Universität Loma Linda von 49 Forschungsstudien ergab demnach, dass eine Umstellung von den derzeitigen Ernährungsnormen auf ovo-vegetarische und vegane Ernährung die Treibhausgaswerte um durchschnittlich 35 Prozent, die Landnutzung für die Nahrungsmittelproduktion um durchschnittlich 42 Prozent und den landwirtschaftlichen Wasserverbrauch um durchschnittlich 28 Prozent reduzieren würde.

Auch der WWF hatte in einer Studie untersucht, wie sich verschiedene Ernährungsweisen auf den Flächenbedarf und die Klimaerhitzung auswirken.

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Bei vegetarischer Ernährung würde sich unser Flächenbedarf demnach um 46 Prozent reduzieren, bei veganer Ernährung um fast 50 Prozent und bei einer flexitarischen Ernährung immerhin um 18 Prozent. Analog dazu nähmen auch die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen deutlich ab.

Obacht bei Superfoods

Eine andere WWF-Studie sagt aber auch: Mit der rein veganen Ernährung ist es nicht getan. Wer Obst, Gemüse oder Schalenfrüchte aus wasserarmen Anbauregionen kauft, schadet der Umwelt womöglich mehr als ein Fleischesser.

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Aktuell werden laut WWF nur 37 Prozent des hier verzehrten Gemüses auch in Deutschland angebaut – bei Tomaten sind es sogar nur 4 Prozent. Heimische Nüsse finden sich so gut wie gar nicht in den Supermarktregalen. Zugleich boomt die Mandel als Superfood: 80 Prozent der weltweit angebauten Mandeln stammen allerdings aus dem wasserarmen Kalifornien. Dafür würden immer tiefere Brunnen gebohrt, was verheerende Auswirkungen auf die Umwelt habe.

Am Ende geht es bei der klimabewussten Ernährung also nicht allein ums Weglassen von Fleischgerichten – sondern um die genaue Betrachtung jedes einzelnen Lebensmittels.

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