„Nicht akzeptabel“

Nach Badeunfall in Laboe: Ersthelfer erhebt Vorwürfe gegen Rettungsdienste

Badeunfall an der Kieler Förde, Kritik am Einsatz: Am Strand in Laboe erlitt eine Frau einen Kreislaufzusammenbruch. Der Rettungsdienst sei zu spät gekommen, sagt Ersthelfer Kai-Thorsten Bräsch.

Laboe. „Plötzich rief jemand um Hilfe“, erinnert sich Kai-Thorsten Bräsch an den Badeunfall am Strand von Laboe, bei dem er am Sonntag zur Hilfe eilte. Das Wetter war heiß, das Wasser kalt. Eine ältere Frau hatte einen Kreislaufzusammenbruch erlitten, zwei Strandgäste zogen sie aus dem Wasser. Bräsch, früher selbst Rettungssanitäter, und eine zufällig anwesende Ärztin leisteten erste Hilfe.

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Die Helfer alarmierten den Notruf. Das war um 12.38 Uhr, sagt der 60-jährige Ersthelfer. Am anderen Ende der Leitung habe man den Vorgang professionell begleitet, sagt Bräsch. Was er jedoch an diesem Rettungseinsatz an der Kieler Förde „höchst bedenklich und in dieser Form nicht akzeptabel“ nennt: dass erst nach rund 15 Minuten professionelle Rettungskräfte zur Hilfe kamen.

Badeunfall in Laboe: Ersthelfer erhebt Vorwürfe

Die offizielle Vorgabe gemäß der Landesverordnung lautet: Die Einsatzkräfte sollen die dem Einsatzort nächstgelegene öffentliche Straße binnen zwölf Minuten erreichen.

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Bräsch erhebt weitere Vorwürfe: Sowohl die zuerst angekommene Wasserwacht als auch die kurz darauf erschienene Feuerwehr hätten kein adäquates Equipment dabei gehabt, um die Frau zu versorgen. Das kam nach 18 Minuten, erinnert sich der Urlauber aus Mühlheim, mit dem Eintreffen des Rettungsdienstes aus Kiel.

Kritik an Einsatz in Laboe: Von Organisationsversagen ist die Rede

Während die Helfer die Frau versorgten, sammelten sich Gaffer um den Einsatzort. „Einige machten Fotos mit ihren Handys“, sagt der 60-Jährige. Um solchem Verhalten zu begegnen, müssten Sichtschutze vorgehalten werden.

„Mir geht es nicht um individuelle Schuldzuweisungen“, sagt Bräsch im Gespräch mit den Kieler Nachrichten. „Aber dieser Fall darf nicht als Einzelfall relativiert und verwaltungsintern abgelegt werden.“ Es handele sich um ein klares Organisationsversagen mit potenziell tödlicher Folge.

Mit großer Betroffenheit habe er von dem Unfall erfahren, sagt Heiko Voß (parteilos), Bürgermeister von Laboe. Er hofft auf eine vollständige Genesung der Frau. Die Gemeinde Laboe ist Träger der Feuerwehr. Für die Sicherheit an den Stränden ist die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes zuständig.

Hier am Strand hinter der Strandstraße, Ecke Katzbek, erlitt eine Frau einen Kreislaufzusammenbruch. Ersthelfer Kai-Thorsten Bräsch sagt, er habe 15 Minuten warten müssen, bis der Rettungsdienst vor Ort war.
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Die Wasserwacht habe ihm mitgeteilt, dass zunächst die Meldung einging, eine Person am Strand könne schlecht atmen. Als die Retter auf dem Weg zu ihr erfuhren, dass eine Reanimation erforderlich sei, sei unverzüglich das benötigte Material nachgeordert worden.

Kreis Plön: Zu viele gleichzeitige Einsätze

Die Feuerwehr ist zur Unterstützung freiwillig ausgerückt, da sie auch ausgebildete Ersthelfer in ihren Reihen hat. Sie wurde jedoch auf offiziellen Wegen gar nicht informiert, da es sich nicht um einen Brand handelte. „Da die Feuerwehr originär nicht für rettungsdienstliche Einsätze, sondern für den Brandschutz vorgesehen ist, verfügt sie bis auf einen mobilen Defibrillator nicht über weiteres rettungsdienstliches Equipment“, sagt Voß.

Christine Wulf, Sprecherin der Kreisverwaltung des Kreises Plön, erklärt: „Es handelte sich bei dem Einsatz in Laboe um einen sogenannten Duplizitätsfall.“ Heißt: Es traten gleichzeitig mehr Notfälle auf, als Rettungsmittel vorhanden waren, sodass die planmäßig vorgehaltenen drei Fahrzeuge nicht zur Verfügung standen.

Die Leitstelle in Kiel habe dann ein Fahrzeug aus der Landeshauptstadt alarmiert. „Die Durchführung der Kieler Woche sowie besonders warme Temperaturen, die ein erhöhtes Aufkommen an Stränden und Badestellen begründen können, führen zu keiner situativen Erhöhung der Rettungsmittelvorhaltung im Kreis Plön.“

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Auch die Zahlen der hilfsfristrelevanten Notfalleinsätze liegen dem Kreis Plön vor. Während es im Jahr 2020 noch 9883 Einsätze gab, stieg die Anzahl kontinuierlich bis auf 11.667 Einsätze im Jahr 2024. Während der Erfüllungsgrad für die Hilfsfrist zunächst von 85,63 Prozent im Jahr 2020 auf 80,80 Prozent im Jahr 2022 fiel, stieg er seitdem wieder auf 84,03 Prozent an.

Der Badeunfall in Laboe sei nicht als Einzelfall zu relativieren, fordert Ersthelfer Bräsch. Die Landesverordnung gibt ihm recht. Dort heißt es: „Die Überprüfung der Einhaltung der Hilfsfrist erfolgt in der Weise, dass in der Realität mindestens 90 Prozent aller Notfälle (…) in der Frist (…) erreicht werden.“

KN