Umstrittenes Fernsehformat

Fieser TV-Streich oder Mobbing? Dänemark diskutiert über vorgeführten Komiker

„Truman-Show“ wird real: Der Komiker Rasmus Wallbridge wurde monatelang getäuscht. Nun fordert er ein Umdenken und stößt in Dänemark eine Debatte an.

Komiker Rasmus Wallbridge wurde monatelang getäuscht. Er glaubte, seinen großen Traum verwirklichen zu können: einen eigenen Spielfilm zu drehen. Gemeinsam mit einem Freund wollte er das Filmprojekt Realität werden lassen. Doch statt eines echten Kinofilms erwartete ihn eine böse Überraschung. Wallbridge war unwissentlich Hauptdarsteller eines Fernsehstreichs, an dem rund 150 Menschen beteiligt waren. Das Format „Alle elsker Rasmus“ („Alle lieben Rasmus“) erinnert an den Film „Die Truman Show“ mit Jim Carrey – sorgte in Dänemark allerdings für einen handfesten TV-Skandal.

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Freunde, Bekannte, Kollegen und Prominente spielten mit, belogen Wallbridge und filmten ihn teilweise mit versteckten Kameras. Erst in der letzten Folge der sechsteiligen Serie wurde Wallbridge mit der Wahrheit konfrontiert. Was als ungewöhnliches Unterhaltungsformat geplant war, löste nun eine heftige Debatte über die Grenzen von Fernsehunterhaltung aus. TV2 hat die Serie inzwischen aus dem Internet entfernt und sich bei dem Komiker entschuldigt.

TV-Skandal in Dänemark: „Mobbing der übelsten Sorte“

„Jeder kann sehen, dass es sich hier um Mobbing der übelsten Sorte handelt“, schrieb der Chefredakteur der dänischen Zeitung „Politiken“. Auch in den sozialen Netzwerken fiel die Reaktion deutlich aus. Kritiker bezeichneten das Format als „bösartig“ und sprachen von „psychischer Gewalt“. Immer wieder wurde dabei die Parallele zur „Truman Show“ gezogen. In der Tragikomödie von 1998 lebt die Hauptfigur unwissentlich in einer inszenierten Welt und wird rund um die Uhr für eine Fernsehsendung gefilmt.

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Ich hoffe, dass dieser ganze ziemlich unglückliche Fall bei allen zu einem stärkeren Bewusstsein dafür führt, was man mit welcher moralischen und ethischen Verantwortung veröffentlichen möchte.

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen

Auch aus der Politik kam deutliche Kritik. Kulturministerin Zenia Stampe sprach gegenüber dem Fernsehsender DR von einem „völlig eklatanten und unethischen“ Vorgehen. Selbst Ministerpräsidentin Mette Frederiksen meldete sich zu Wort. „Ich hoffe, dass dieser ganze ziemlich unglückliche Fall bei allen zu einem stärkeren Bewusstsein dafür führt, was man mit welcher moralischen und ethischen Verantwortung veröffentlichen möchte“, sagte sie.

Mischte sich in die Debatte ein: Ministerpräsidentin Mette Fredriksen.

Wallbridge selbst hatte sich zunächst nicht öffentlich geäußert. Am Wochenende brach er auf Instagram sein Schweigen. „Ich sehe, was über mich gesagt und mir geschrieben wird“, erklärte der Komiker. Er sei allerdings gerade nicht an einem Punkt, an dem er sich an der öffentlichen Diskussion beteiligen könne. An TV2 richtete er dennoch eine klare Botschaft: „Ich will Sie wirklich dazu auffordern, das sein zu lassen.“

TV2 entschuldigt sich bei Rasmus Wallbridge – und räumt Fehler ein

Zunächst hatte TV2 das Konzept verteidigt. Eine Psychologin habe Wallbridge während der Dreharbeiten eng begleitet und darauf geachtet, dass er nicht allein gefilmt werde. Zudem habe der Komiker nach der Auflösung des Streichs die Möglichkeit gehabt, einer Veröffentlichung zu widersprechen.

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Nach der heftigen Kritik zog der Sender jedoch Konsequenzen. Programmdirektorin Dorthe Thirstrup bat Wallbridge und die weiteren Mitwirkenden „bedingungslos um Entschuldigung“. Ihr Urteilsvermögen habe versagt.

Besonders brisant: TV2 musste auch Fehler bei der Bearbeitung der Sendung einräumen. In der letzten Folge war eine Szene manipuliert worden. Dadurch entstand der Eindruck, der Komiker habe auch nach der Auflösung des Streichs gelassen und amüsiert reagiert. Der Sender kündigte eine interne Untersuchung an. In Dänemark werden allerdings weitere Konsequenzen und eine unabhängige Aufklärung gefordert.

Auch mehrere prominente Beteiligte baten öffentlich um Entschuldigung. Wallbridges enger Freund und Comedy-Partner Martin Johannes Larsen erklärte, er habe seinem Freund niemals wehtun wollen. Schauspieler Anders W. Berthelsen räumte ebenfalls Fehler ein: „Ich hätte es besser wissen und meinem eigenen Urteil mehr vertrauen müssen.“ Auch Musiker Malte Ebert und Schauspielerin Josephine Højbjerg zeigten Reue.

Umstrittene TV-Formate: Dänemarks Sender loten Grenzen aus

Der dänische Fernsehsender TV2 fällt nicht zum ersten Mal mit einem umstrittenen Format auf. In der Dokumentation „Der schwarze Schwan“ hatten Journalisten vor einigen Jahren ebenfalls mit versteckten Kameras und mithilfe einer Informantin Verbindungen zwischen der dänischen Unterwelt und der gesellschaftlichen Elite aufgedeckt. Das Format sorgte vor allem wegen der verdeckten Aufnahmen für Diskussionen darüber, wie weit Journalisten bei der Beschaffung von Informationen gehen dürfen.

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Mit „Das letzte Wort“ setzt der Sender auf ein weiteres ungewöhnliches Format: Darin werden Prominente vor ihrem Tod interviewt. Ausgestrahlt werden die Gespräche erst, wenn die jeweilige Person gestorben ist.

mit dpa-Material