Ronaldo wählt das Ende mit Schrecken – gerade noch rechtzeitig
Wann der richtige Zeitpunkt für ein versöhnliches Ende ist, muss jeder noch so große Star irgendwann entscheiden. Idealerweise ganz allein, das gilt als Königsweg. Vor dieser finalen Entscheidung stand auch der fünfmalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo. Und obwohl die Zeichen für den Portugiesen nach 234 Länderspielen und 146 Länderspieltoren – beides sind Rekordwerte – nach den jüngsten Entwicklungen eher schlecht standen, hat er es gerade noch geschafft, die für sich und sein Vermächtnis richtige Wahl zu treffen.
„CR7″, der 41 Jahre alte Offensivspieler und zugleich die größte individuelle Fußballermarke auf diesem Planeten, wird nicht mehr für die Nationalmannschaft seines Landes auflaufen, wie er am Donnerstag verkündete. Vorausgegangen waren Tage und Wochen, in denen Portugals Nummer 7 nicht unbedingt die rühmlichsten Episoden seiner 23-jährigen Ära in der Nationalmannschaft geschrieben hatte.
Kein Vergleich zu Erzrivale Messi
Nach dem Achtelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer wollte Ronaldo unbedingt weitermachen, er hatte womöglich die EM 2028 im Hinterkopf. Doch weil ihn Trainer Jorge Jesus auf die Bank verbannte, revoltierte der Megastar, zoffte sich mit dem Coach, reiste ab, bekam eine Strafe. Eine lächerlich niedrige allerdings – in Höhe von 255 Euro. Ohne weitere Nullen. Ein Betrag, den der Europameister von 2016 dank seines Vertrags beim saudi-arabischen Klub Al-Nassr in weniger als einer Minute verdient.
Sportlich hatte Ronaldo, das war nicht erst bei der vergangenen WM in Nordamerika zu sehen, der „Seleção“ kaum mehr helfen können, war sogar eher Hemmschuh im Spiel des Teams von Jorge Jesus. Immerhin gewann Portugal – mit „CR7″ – im Sommer 2025 in Deutschland zum zweiten Mal den Titel in der Nations League. Dass Ronaldos Zeit im roten Trikot allerdings schon länger, wohl schon nach der Katar-WM 2022, eigentlich abgelaufen war, konnte man immer wieder beobachten. In diesem Fall erübrigt sich sogar der Vergleich mit seinem ewigen Rivalen Lionel Messi. Messi wurde als Oldie mit Argentinien noch einmal Weltmeister und einmal Vize-WM-Champion, ehe ihm im Oktober ein gebührender Abschied gewährt wurde.
Ein Abschied mit reichlich Pathos
Ronaldos einzigartige Nationalmannschaftslaufbahn drohte hingegen, einen unwürdigen Schlussakt zu bekommen. Im EM-Finale vor zehn Jahren hatte er mit bandagiertem Bein nach seiner frühen Auswechslung die Rolle des heroischen Kämpfers gespielt, der bis zur letzten Sekunde alles gibt für den Erfolg. Nachdem die Ikone im Spätherbst ihrer Karriere jetzt ihre Allüren allzu sehr in den Vordergrund gestellt hatte, hatte sich jedoch ein Schrecken ohne Ende angebahnt.
Und so wählte Ronaldo den Weg über seine eigenen, mit einer Reichweite von mehreren Hundert Millionen Fans versehenen Social-Media-Kanäle, um die Öffentlichkeit über seinen Rücktritt zu informieren. Mit reichlich Pathos wandte er sich noch einmal „an die Menschen Portugals“. Er wählte damit zwar ein Ende mit Schrecken – aber lag damit gerade noch so richtig. Denn sonst hätten ihm Trainer Jorge Jesus oder die Granden des portugiesischen Verbands zuvorkommen müssen. Und das hätte dem Vermächtnis von CR7 wirklichen Schaden zugefügt.