Toll für den Frauenfußball

SV Henstedt-Ulzburg: Unvergessliches Spektakel vor 18 045 Fans in Berlin

Dina Orschmannin (re.) vom 1 FC Union Berlin entwischt im Stadion an der Alten Försterei SV Henstedt-Ulzburgs Mannschaftsführerin Malin Hegeler.

Henstedt-Ulzburg. 18 045 Zuschauer bei einem Frauenfußball-Aufstiegsspiel zur Zweiten Bundesliga – und die Mannschaft des SV Henstedt-Ulzburg mittendrin. Das 0:8 beim FC Union Berlin war am vergangenen Sonntag schnell verdaut. SVHU-Kapitänin Malin Hegeler und ihren Mitspielerinnen bleibt die Erinnerung an ein unvergessliches Erlebnis im Stadion an der Alten Försterei, in dem sonst Männer-Bundesligaspiele ausgetragen werden.

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Frau Hegeler, Sie stehen vor ihrer zehnten Saison beim SV Henstedt-Ulzburg. Gab es ein auch nur annähernd vergleichbares Spiel ?

Malin Hegeler: Bei weitem nicht. Im Viertelfinale des DFB-Pokals 2021/22 haben wir gegen Turbine Potsdam bei uns am Beckersberg vor 720 Zuschauern gekickt, im April 2023 sind zum Regionalliga-Topspiel beim HSV 350 Fans gekommen.

Der 1. FC Union ist in Berlin Kult

Es war bekannt, dass Union das Spiel ganz groß aufziehen, viele Fans mobilisieren würde. Wie sind Sie damit umgegangen ?

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Wir haben im Internet mit Erstaunen verfolgt, dass die Zahl der im Vorverkauf abgesetzten Tickets immer höher wurde. Der FC Union ist in Berlin ein absoluter Kultverein, kalkulierte mit 15 000 Zuschauern. Trotzdem haben wir uns wie gewohnt vorbereitet. Allerdings hat uns unser Verein den Wunsch erfüllt, schon einen Tag früher anzureisen und in der Hauptstadt zu übernachten.

Wann wuchs die Aufregung ?

Bei mir begann es beim Frühstück zu kribbeln. Wir sind früh zum Stadion gefahren. Als wir uns in der noch leeren Alten Försterei umgeschaut haben, war alles beeindruckend. Angefangen vom Kabinentrakt war alles so viel größer und komfortabler, als wir es kennen.

Die Berlinerin Dina Orschmann erzielt per Fallrückzieher das Tor zum 7:0, SV Henstedt-Ulzburgs Mannschaftsführerin Malin Hegeler (re.) kann nur zuschauen.

Nach einem Spaziergang ihres Teams an der Spree begann die heiße Phase der Vorbereitung, der Anpfiff rückte immer näher. Wie war der Moment, als Sie zusammen mit den Berlinerinnen aufgelaufen sind ?

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Gigantisch! Die 18 000 Fans waren so laut, dass man sein eigenes Wort nicht verstanden hat. Auch während des Spiels war es unmöglich, untereinander zu kommunizieren. Beinahe ununterbrochen wurden Fangesänge angestimmt. Der Geräuschpegel stieg besonders dynamisch an, wenn die Berlinerinnen angriffen. Für uns als ambitionierte Feierabend-Fußballerinnen war es unglaublich, so etwas zu erleben. Aber auch für die Berlinerinnen war ein solches Mega-Event Neuland.

Hat die ungewohnte Atmosphäre im Stadion ihr Team gehemmt ?

Ich denke nicht. Eine Viertelstunde haben wir mutig gespielt, doch dann wurde ein Klassenunterschied deutlich. Die Berlinerinnen sind Vollprofis. Während wir morgens zur Arbeit, zum Studium oder in die Schule gehen, treffen sich Unions Spielerinnen auf dem Trainingsplatz.

Anerkennung der Fans für die Verlierer

Sie wurden von den Union-Fans mit viel Applaus verabschiedet.

Das war ein schönes Gefühl. Die Anerkennung dafür, dass wir trotz unserer Unterlegenheit alles gegeben haben. Dass wir unseren Anteil an diesem tollen Tag für den Frauenfußball hatten.

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Immer mehr Vereine, deren Männermannschaft in einer der Bundesligen spielt, pushen den Frauenfußball. Wie bewerten Sie das ?

Das ist eine richtig gute Sache für den Frauenfußball. Obwohl es Amateurvereinen wie dem SVHU schwer bis unmöglich macht, in ganz hohe Spielklassen vorzudringen.

Zweite Liga für den SVHU kaum noch erreichbar

Heißt das, dass die Zweite Bundesliga, in der Ihr Team in der Saison 2021/22 gespielt hat, für den SV Henstedt-Ulzburg mittlerweile unerreichbar ist ?

Es geht in diese Richtung. Wir spielen ohne jegliche Aufwandsentschädigung, fühlen uns in einem familiären Umfeld sauwohl und leben vom Teamspirit. Wir versuchen mit einer Mischung aus Ehrgeiz und Spaß das Maximum zu erreichen – und das ist, wie in dieser Saison, wahrscheinlich eine Top-Platzierung in der Regionalliga, in der wir souverän Nordmeister geworden sind.

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Der SV Henstedt-Ulzburg gilt als exzellente Adresse für junge Spielerinnen. Wie gelingt es, immer wieder Talente zu holen ?

Das Netzwerk unserer Trainer, früher Klaus Rath und jetzt Christian Jürss, ist fantastisch. Die Neuen werden von einer intakten Mannschaft mit offenen Armen empfangen, schnell integriert. Die positive Grundstimmung bei uns catcht Neuzugänge, sowohl Talente als auch gestandene Spielerinnen. Das hilft aber alles wenig, wenn andere Klubs mit Geldscheinen wedeln.

Am Sonntag kommt Union Berlin zum Rückspiel, das um 14 Uhr im Stadion am Beckersberg angepfiffen wird. Was erwarten Sie von den 90 Minuten ?

Es ist wahrscheinlich, dass Union erneut gewinnt. Aber ein 0:8 muss es nicht wieder werden.

KN