Russlands Rückkehr in den Weltsport

Die größte Herausforderung hat IOC-Präsidentin Coventry noch vor sich

Auf der Suche nach dem Weg, der am wenigsten Verluste nach sich zieht: Kirsty Coventry in der königlichen Loge und im Zentrum des Interesses bei ihrem Wimbledon-Besuch am vergangenen Wochenende.

Es ist die Grundfrage, die allen Überlegungen rund um den jahrelangen Ausschluss russischer Athletinnen und Athleten aus dem internationalen Sport vorausgehen muss: Was wiegt schwerer? Die Schuld ihres Heimatstaates, der einen Nachbarstaat überfallen und Teile dessen Territoriums völkerrechtswidrig für sich reklamiert hat, oder die Interessen der Sportlerinnen und Sportler, die im vermeintlich unpolitischen Sport nichts für die Taten ihrer Regierung können?

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Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat diese Frage neu bewertet und die Regularien, unter denen russische Athletinnen und Athleten im internationalen Sportbetrieb starten dürfen, weiter gelockert und zum Teil aufgehoben. Trotz des laufenden Angriffskrieges gegen die Ukraine. Man wolle sicherstellen, „dass alle Athleten die Möglichkeit haben, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, ohne für die Handlungen ihrer Regierung zur Rechenschaft gezogen zu werden“, begründete IOC-Präsidentin Kirsty Coventry den Schritt mit Blick auf die Sommerspiele 2028 und die Winterspiele 2030.

Die IOC-Chefin ist nicht zu beneiden

Die ehemalige Schwimm-Olympiasiegerin aus Simbabwe ist nicht zu beneiden um den diplomatischen Drahtseilakt, den sie mit ihrer Weltsportorganisation zwischen den entfesselt in ihrem Machtstreben auftretenden Staatenlenkern dieser Erde aufführen muss. Denn gewinnen kann die 42-Jährige nicht, sie kann nur nach dem Weg suchen, der am wenigsten Verluste nach sich zieht.

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Allein die Tatsache, dass die neue Regelung vom russischen Sportminister Michail Degtjarjow gelobt wurde, sendet Signale, die die von Russland angegriffene Ukraine kaum so stehen lassen kann. Zynisch wird es mit Blick auf die Argumentation des russischen Sportministers. „Das IOC sendet ein klares Signal: Die olympische Bewegung muss frei von Politik bleiben“, schrieb er.

Dabei war es vor allem Russland, das den Sport gern für politische Zwecke benutzt hat. Machthaber Wladimir Putin genoss die Bühne, die ihm die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und die Fußball-WM 2018 in seinem Land boten. Die Lust darauf, Putins Russland durch sportliche Erfolge nach innen und außen glänzen zu lassen, ging so weit, dass ein staatlich gelenktes Dopingsystem erarbeitet wurde. Dessen Aufarbeitung ist weiterhin so unzufriedenstellend, dass die Wiederaufnahme Russlands in den internationalen Sport mit hohen Anti-Dopingauflagen verbunden ist.

Ihre Tränen gingen um die Welt: Kirsty Coventry während der Olympischen Winterspiele in diesem Frühjahr im Angesicht der Entscheidung gegen den Gedenk-Helm des ukrainischen Skeletonis Wladislaw Heraskewytsch.

Und so vermischen sich allein im Fall Russland zwei bei oberflächlicher Betrachtung nicht zueinander passende Phänomene, die beweisen, dass die olympische Bewegung natürlich nie frei von Politik bleiben kann. Denn natürlich ist auch das Lob des russischen Sportministers objektiv nichts anderes als Politik. Problem: Jeder Protagonist in diesem kaum zu entwirrenden Weltsportchaos entscheidet letztlich subjektiv, was er für politisch hält und argumentiert je nach persönlicher Zielsetzung.

Mittendrin versucht IOC-Präsidentin Coventry im Sinne des Sports zu agieren. Ihre Tränen der Überforderung gingen um die Welt, als sie während der Winterspiele verkündete, dass der ukrainische Skeletoni Wladislaw Heraskewytsch seinen mit Bildern von im Krieg gestorbenen Sportlerinnen und Sportlern bedruckten Helm nicht im Wettkampf tragen darf. Zeitgleich versuchte Russland seinen Platz im Weltsport zurückzuerobern und hatte damit nun Erfolg.

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Die größte Herausforderung im ewigen Gezerre der Politik am Sport hat die IOC-Präsidentin noch vor sich: In zwei Jahren sollen die Olympischen Sommerspiele in Los Angeles ausgetragen werden. Und was US-Präsident Donald Trump davon hält, sich aus Feldern wie dem Sport herauszuhalten, haben wir gerade bei der Fußball-WM gesehen.

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