Wechsel zum Februar 2027

Neuer Generalinspekteur: Christian Freuding aus Lüneburg wird ranghöchster Soldat der Bundeswehr

Heeresinspekteur Generalleutnant Dr. Christian Freuding mahnte die Rüstungsindustrie im Gespräch mit der LZ, in einen höheren Modus zu schalten. "Der Feind wartet nicht."

Lüneburg. Christian Freuding wird im Februar 2027 neuer Generalinspekteur und damit ranghöchster Soldat der Bundeswehr. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat entschieden, dass der bisherige Inspekteur des Heeres auf Carsten Breuer folgt. Das teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Breuer war im September zum Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses gewählt worden.

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Freuding lebt in Lüneburg und kennt den Bundeswehrstandort in der Hansestadt aus eigener Erfahrung. Von 1998 bis 2003 war er beim Aufklärungslehrbataillon 3 eingesetzt, zunächst als Zugführer und später als Kompaniechef. Von 2012 bis 2013 führte er den Verband als Kommandeur. Nun steht der gebürtige Weidener vor dem vorläufigen Höhepunkt seiner militärischen Laufbahn.

Vom Lüneburger Bataillon in die Berliner Ministerien

Seine Karriere bei der Bundeswehr begann 1990 als Offizieranwärter im Panzeraufklärungsbataillon 12 in Ebern. Nach der Offiziersausbildung studierte Freuding Politikwissenschaft an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und promovierte 1999. Es folgten verschiedene Führungsverwendungen und Auslandseinsätze. 2002 war er Kompaniechef beim Einsatzverband der Stabilisation Force (SFOR) in Bosnien und Herzegowina. Von 2007 bis 2008 gehörte er als Chef des Stabes zum Provincial Reconstruction Team der internationalen Schutztruppe ISAF im afghanischen Kundus.

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Christian Freuding (3.v.l), Inspekteur des Heeres, spricht während eines gemeinsamen Statements neben Timo Haas (l-r), Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall Electronics und Chief Digital Officer (CDO) des Rheinmetall-Konzerns, Florian Hohenwarter, Vorstandsvorsitzender des Rüstungskonzerns KNDS, Staatssekretär Jens Plötner, Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr.

Im Oktober 2013 wurde Freuding nach nur 22 Monaten als Kommandeur des Lüneburger Aufklärungsbataillons nach Berlin versetzt. Dort wechselte er in die Adjutantur des Generalinspekteurs und wurde später Adjutant der damaligen Verteidigungsministerinnen Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer. Von September 2019 bis April 2022 kommandierte er die Panzerlehrbrigade 9 in Munster. Während der Corona-Pandemie unterstützten seine Soldaten unter anderem die zivilen Behörden bei der Bewältigung der Krise.

Als Troubleshooter im Ukrainekrieg gefragt

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine begann für Freuding eine weitere wichtige Etappe seiner Karriere: 2022 übernahm er die Leitung des Sonderstabs Ukraine im Verteidigungsministerium. Dort koordinierte er die deutsche militärische Unterstützung für das angegriffene Land und analysierte die rasanten technischen Entwicklungen auf dem Schlachtfeld. Mit seinen regelmäßigen Lageeinschätzungen auf dem Youtube-Kanal der Bundeswehr wurde er auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Von 2023 bis 2025 leitete Freuding den Planungs- und Führungsstab des Verteidigungsministeriums. Am 1. Oktober 2025 wurde er schließlich mit der Führung des Heeres beauftragt. In dieser Funktion trieb er unter anderem die Modernisierung der Landstreitkräfte voran. So sorgte er dafür, dass das erste Drohnenregiment des Heeres aufgestellt wird.

Pistorius setzt auf Erfahrung und Führungsstärke

Verteidigungsminister Pistorius begründete seine Personalentscheidung mit Freudings Erfahrung und seiner Führungsstärke. Die Bundeswehr wachse stark, übernehme mehr Verantwortung innerhalb der Nato und brauche dafür eine überzeugende Persönlichkeit an ihrer Spitze. Freuding bringe alle Voraussetzungen mit, um den Soldaten ein Vorbild zu sein und sie in ein neues sicherheitspolitisches Zeitalter zu führen.

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Als Heeresinspekteur habe Freuding in kurzer Zeit die richtigen Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt. Er habe eindrucksvoll bewiesen, dass er auch in Zeiten großer Veränderungen und Herausforderungen einen kühlen Kopf bewahre und schnell die richtigen Entscheidungen treffe, sagte Pistorius. Der Minister bezeichnete ihn zudem als international hoch anerkannt und bestens vernetzt.

Oberster militärischer Berater der Bundesregierung

Mit dem Wechsel an die Spitze der Bundeswehr übernimmt Freuding künftig eine zentrale Rolle in der deutschen Sicherheitspolitik. Zu seinen Aufgaben gehört es, die strategische Ausrichtung der Bundeswehr mitzugestalten und den Ausbau der Streitkräfte voranzutreiben.

Aktuell umfasst die Bundeswehr rund 186.200 aktive Soldaten. Davon dienen 64.300 beim Heer, 28.500 bei der Luftwaffe und 16.200 bei der Marine. Weitere 13.900 Soldaten gehören zum Cyber- und Informationsraum, 48.300 zum Unterstützungsbereich und etwa 15.000 weitere zum Bereich Personal. Pistorius will die aktive Truppe in den kommenden Jahren auf 255.000 bis 270.000 Soldaten vergrößern.

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Noch vor wenigen Wochen hatte Freuding im Interview mit der Landeszeitung mit Blick auf die Bedrohung durch Russland betont: „Wir passen gegenwärtig die gesamte Sicherheitsarchitektur in Deutschland an. Für die Bundeswehr brachte die Zeitenwende vor knapp vier Jahren einen radikalen Wechsel.“ Künftig wird er als Generalinspekteur maßgeblich dafür verantwortlich sein, diesen Wandel militärisch zu gestalten.

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